Kinofilm

Carol

Die wahre Liebe gilt als Mysterium. Sie wird besungen, bedichtet und verfilmt. 2015 huldigt ihr Regisseur Todd Haynes in seinem Kinofilm. Das Drehbuch basiert auf der Novelle von Patricia Highsmith, die im Deutschen den Titel "Salz und sein Preis" beziehungsweise kurz "Carol" trägt.

Die Handlung spielt in den USA um 1950. Es ist kurz vor Weihnachten und Therese Belivet (Rooney Mara) arbeitet als Verkäuferin in einem Kaufhaus. Dort begegnet sie Carol Aird (Cate Blanchett), die bei der Aufgabe einer Bestellung ihre Handschuhe vergisst. Therese sendet ihr die Fundsache und Carol nimmt Kontakt zu ihr auf. Schon bald ist klar, dass die zwei Frauen mehr als Gefallen aneinander finden. Doch Therese ist schüchtern und Carol unsicher, ob sie die Jüngere wirklich kennenlernen will?

Es folgen mehrere zögernde Annäherungsversuche, bis die Frauen gemeinsam wegfahren. Für Carol ist es auch die Flucht vor ihrer Ehe, für die sie die Scheidung eingereicht hat. Doch ihr eifersüchtiger Ehemann Harge Aird (Kyle Chandler) will sie nicht loslassen. Es kommt zu einem hässlichen Tauziehen um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter, in das auch Therese hineingezogen wird.

Kritik

Den Roman von Patricia Highsmith las ich vor Jahren. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, missfallen mir an dem Buch dieselben Schwäche wie an dem Kinofilm: Die Handlung kommt nicht auf den Punkt. Hinsichtlich der Verfilmung bedeutet es, dass das Geschehen höchst romantisch inszeniert ist, es wird gesehnt und geschmachtet. Was je nach Betrachter entweder als gepflegte Langatmigkeit empfunden werden kann oder als Verzehren.
Von den Darstellern ist das gut gespielt. Wobei Cate Blanchett in ihrer Rolle als Carol entweder wie ein Vamp gesehen werden kann oder narkotisiert. Rooney Mara gelingt die Darstellung der unentschiedenen etwas naiven Frau gut. Die Frage ist, ob zwei attraktive Hauptdarstellerinnen einen Film sehenswert machen? Die Antwort muss jeder Zuschauer selbst finden.

Zweifelsohne hat "Carol" Stil, der insgesamt in eine Überstilisierung mündet. Bezogen auf die Personen bedeutet es, dass sie viel und gekünstelt sprechen. Selbst wenn sie einander nach einer langen Phase der Annäherung körperlich nahe kommen, wird noch gestelzt. Hinsichtlich der Bilder meint es einen künstlichen Naturalismus. Die Szenen wirken wie abgefilmtes Leben und sind doch stets künstlich. Und selbst der Film als solcher ist stark stilisiert. Die Farben sind verfälscht und das Material grobkörnig - wie ein Film aus der Zeit, in der er spielt. In diesem Kontext ist die Szene, in der Carol den Scheidungskrieg zu einem Ende bringt, zu modern.

Die Probleme von homosexuellen Frauen im Amerika der 1950. Jahre deutet der Film an. Carol wird während ihres Scheidungsdramas auch wegen ihrer moralischen Verfehlungen angeklagt. Das Kernthema ist nicht die Homosexualität, sondern das Sehnen.

Fazit
Der Kinofilm Carol verwechselt Liebe mit Sehnen. Er erzählt seine Geschichte in gleichförmigen Bildern und ist insgesamt etwas zäh.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Wertung: 70 %

Credits

Original Film-Titel: "

Land: Großbritannien / USA / Frankreich 2015

Laufzeit in Minuten ca.: 118

Kinostart / Filmstart: 17.12.2015

Regie: Todd Haynes

Drehbuch: Phyllis Nagy

Schauspieler (Besetzung): Cate Blanchett, Rooney Mara, Kyle Chandler , Sarah Paulson, John Magaro

 DVD bestellen bei Amazon.de



Seiten (0):

Name Gast-Kommentar
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben!

 
Gast-Kommentar schreiben
Name:
eMail*:
Überschrift:
Text:

» Smilies
Visuelle Bestätigung: =>
*nur intern - wird nicht veröffentlicht

Anzeige
Einkaufen bei Amazon.de

Copyright Texte, Bilder, Clipart: 2001 - 2015 Filmhai.de oder Lizenzgeber, falls angegeben
Impressum Datenschutz