Kinofilm

45 Years

Der Kinofilm "45 Years" behandelt ein schwieriges Thema. Es geht um eine Ehe, in der nicht ausgesprochen wird, was ausgesprochen werden müsste. Der Zuschauer muss Freude daran empfinden, auf feinste Nuancen zu achten und Willens sein, sich selbst vieles zusammenzureimen.

Nach 45 Jahren Ehe wird die Beziehung von Kate (Charlotte Rampling) und Geoff (Tom Courtenay) erschüttert. Der Auslöser ist die Nachricht, dass in der Schweiz die Leiche einer Frau gefunden wurde, mit der Geoff vor 50 Jahren eine Beziehung hatte. Während Kate beginnt die Ehe infrage zu stellen, weist er darauf hin, dass die Angelegenheit lange zurückliegt. Doch auch ihn verändert das Ereignis. Er lebt jetzt mehr für das Vergangene als für das Gegenwärtige. Und so bleibt es allein Kate überlassen die große Party zu organisieren, die in einer Woche anlässlich des Hochzeitstages stattfinden soll.

Kritik

Im Film fallen zwei Sätze, die den gesamten Inhalt beschreiben. Sinngemäß sagt Charlotte Rampling, dass sie ihm gerne sagen würde, was sie alles denkt und dies nicht kann. Er antwortet, dass er das weiß. Diese Unfähigkeit auszusprechen, worum es tief im Innern geht, ist das Thema und der Inhalt des Films. Als Zuschauer frage ich mich jedoch, warum die Zwei nicht auf den Punkt kommen? Er schwelgt in Erinnerungen. Wobei das Zuhören langweilt - schon allein weil seine monotone Stimmlage (im englischen Original) einschläfert. Tom Courtenay spricht, als fehle ihm die Kraft zum Reden und als sei es ihm bewusst, dass seine Geschichten niemanden interessieren. Nur einmal während eines Streits ändert sich der stimmliche Ausdruck.
Sein Pendant ist Charlotte Rampling, die wie eine Sphinx auftritt. Sie beobachtet und deutet nur an, dass sie etwas empfindet. Würde sie wenigstens innerlich explodieren, entstände Spannung. Doch so bleibt das Geschehen spannungslos, weil der Austausch nur unterschwellig stattfindet und stets nur angedeutet wird.
Da der Film mit dem Wendepunkt, also der Fundmeldung beginnt, fehlt die Möglichkeit zu vergleichen. Ich erfahre nicht, ob die Ehe jemals anders war. Die auftretenden Personen machen keine Entwicklung durch, sondern sind fest gefügt. Hinzu kommt, dass der Naturalismus des Films nicht gelebt, sondern gespielt ist. Soll heißen: Man vergisst nie, dass das Geschehen künstlich ist. Das wirkt unentschieden und ich kann nicht klar sagen, ob der Film abgefilmtes oder inszeniertes Leben sein will.

Fazit
Einen Film über das Unvermögen Dinge auszusprechen zu drehen ist interessant. Wenn dann die Konflikte auch anderweitig nur in Nuancen stattfinden, dann bedarf es in allen Belangen Höchstleistungen, damit das Ergebnis überzeugt. Die werden in "45 Years" allerdings nicht geboten. Für mich ist es keine Kunst, die den Zuschauer unterhalten möchte, sondern Kunst, die sich selbst genügt.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %

Credits

Original Film-Titel: "

Land: Großbritannien 2015

Laufzeit in Minuten ca.: 95

Kinostart / Filmstart: 10.09.2015

Regie: Andrew Haigh

Drehbuch:  Andrew Haigh

Schauspieler (Besetzung): Charlotte Rampling, Tom Courtenay

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