Kinofilm

Das Zimmer meines Sohnes - Kritik

La stanza del figlio

Eine Familie in einer kleinen italienischen Stadt. Vater Giovanni, Mutter Paola und ihre beiden Kinder: Irene, die ältere, und Andrea, der jüngste. Giovanni ist Psychoanalytiker, hat ein kleine Praxis in der Wohnung und hört sich von morgens bis abends die Probleme seiner Patienten an.

An einem ganz normalen Sonntag hat er geplant mit seinem Sohn ein bisschen joggen zu gehen, doch dann erhält er einen Anruf eines seiner Patienten, der akute Angstzustände schildert. Giovanni fährt zu ihm, während Andrea mit seinen Freunden zum Tauchen fährt. Er wird nicht zurückkehren. Durch einem tragischen Tauchunfall kommt er ums Leben. Das stürzt den Rest der Familie in eine tiefe Krise.

Filmkritik

Der Kinofilm "Das Zimmer meines Sohnes" ist Nanni Morettis neueste Regiearbeit. Gleichzeitig spielt der italienische Tausendsassa die Hauptrolle. Eitel wie gewohnt bewegt er sich durch die Szenerie. Er zeigt minutiös das, was man gemeinhin und unzutreffend "Trauerarbeit" nennt, und er zeigt, wie unterschiedlich Menschen mit dem Verlust eines geliebten Angehörigen umgehen. Paola (im Film gespielt von der wunderbaren Laura Morante) und Giovanni entfernen sich immer mehr voneinander. Giovanni fühlt sich bald nicht mehr in der Lage seine Praxis zu führen; seine Schuldgefühle drohen ihn zu zerstören und er kann seinen Patienten nicht mehr unbefangen gegenüber sitzen. Die Egozentrik ihrer alltäglichen Neorosen lässt ihn verzweifeln.
Auf einem Jahrmarkt zwischen Boxcars und Zuckerwatte sucht er das Vergessen und das Erinnern zugleich. Tochter Irene fühlt sich von ihren Eltern allein gelassen und reagiert mit Agressivität. Als ein Brief von Arianna, einem Ferien-Flirt Andreas, auftaucht, beschliesst Paola mit dem Mädchen Kontakt aufzunehmen. Es ist der verzweifelte Versuch, wieder eine gemeinsame Basis zu finden, und er wird belohnt. Man weiß, dass der Verlust eines Kindes eine Ehe, eine Familie zerbrechen lassen kann. Es ist angenehm zu sehen, wie undramatisch und detailversessen die Auseinandersetzungen von Moretti beobachtet werden, und auch die Einsamkeiten.

Zu den Klängen von Brian Enos wunderschönem "By This River" sehen wir Giovanni im Film durch die Stadt laufen, aber dem Schmerz kann er nicht entkommen. Er läuft unsichtbar hinter ihm her. Der Alltag ist der wirkliche Feind in diesem Film, und vor dem gibt es kein Entkommen. Als ich aus der Pressevorführung des Films kam, war es 15 Uhr 20 am 11. September 2001. Was danach kam macht umso deutlicher, dass man den Gefühlen eines Menschen sicher nicht näher kommt, wenn man 24 Stunden am Tag schmerzverzerrte Gesichter im Fernsehen zeigt. Man kann aber versuchen ihm nahe zu kommen indem man beschreibt, wie er sich in den Beziehungen spiegelt, die uns ausmachen. Anmerkung: "Das Zimmer meines Sohnes" erhielt in Cannes zurecht die Goldene Palme. Nun kann man nur wünschen, dass möglichst viele auch hier sich diesen leisen und doch so starken Film anschauen.
Filmkritik: Tina Manske

Credits

Original Film-Titel: "La stanza del figlio"

Italien 2001

Laufzeit ca. 99 Min.

Kinostart / Filmstart: 22.11.2001

Regie: Nani Moretti

Drehbuch: Linda Ferri, Nanni Moretti, Heidrun Schleef

Schauspieler (Besetzung): Nanni Moretti (Giovanni), Laura Morante (Paola), Jasmine Trinca (Irene), Giuseppe Sanfelice di Monteforte (Andrea), Silvio Orlando (Oscar), Claudia Della Seta (Raffaella), Stefano Accorsi (Tommaso), Sofia Vigliar (Arianna)

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