Kinofilm

X-Men 3 - Der letzte Widerstand - Kritik

X-Men The Last Stand

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Wissenschaftler ein "Heilmittel" gegen das Anderssein (die Mutation) finden würden. Ausgerechnet ein Knabe besitzt die Fähigkeit, Mutanten ihre Mutation zu nehmen. Da sind natürlich die findigen Forscher nicht weit, die einen Impfstoff extrahieren und allen Mutanten anbieten, sich kostenlos behandeln zu lassen.

Dieses augenscheinlich gut gemeinte Angebot spaltet die Mutanten in zwei Fraktionen. Die Guten, unter der Führung des Telepathen Professor Charles Xavier (Patrick Stewart) müssen verhindern, dass Magneto und seine finstere Mutanten-Armee, das Kind in ihre Gewalt bringen, um die weitere Produktion des "Heilmittels" zu verhindern. So kommt es erneut zum Kampf unter Mutanten, in den unschuldige Menschen hineingezogen werden, denn wieder einmal will Magneto die Menschen unterjochen und Professor Charles Xavier muss es verhindern.
Um dem bekannten Grundkonflikt etwas mehr Drumherum zu geben, werden neue Mutanten eingeführt. Am auffälligsten sind Beast (Kelsey Grammer), der den amerikanischen Präsidenten berät. Und Angel (Ben Foster), der Flügel mit fünf Metern Spannweite auf dem Rücken trägt. Ob sie an die Stelle der ausscheidenden Mutanten treten, kann nur der vierte Teil beantworten, denn auch wenn der jetzige Teil Abschiedsstimmung verbreitet - nach dem Abspann kommt der Cliffhanger - und Totgeglaubte leben bekanntlich länger.

Filmkritik

Das Thema Toleranz ist - man muss es leider sagen - auch heute noch brandaktuell. So gesehen, hätte die Handlung ihr Scherflein zur Diskussion beitragen können, doch er begnügt sich damit, den Anlass für eine weitere Runde in der Schlacht gute Mutanten gegen böse Mutanten einzuläuten. Dabei ist er nicht mehr und nicht weniger als eine solide Comicverfilmung.
Es beginnt und endet mit einem Paukenschlag. Am Anfang steht eine Rückblende, in eine Zeit, in der Charles und Magneto noch Freunde waren und die junge Jean (als Erwachsene von Famke Janssen gespielt) ins Institut holen. Das verwundert zunächst etwas, weil Jean sich bereits in "X-Men 2" opferte - doch sie erlebt eine fulminante Rückkehr und sorgt in ihrer Rolle als weiblicher Phönix für allerhand Wirbel. Ansonsten bleibt ihr Schicksal, wie die gesamte Erzählung, an der Oberfläche. Im Vordergrund stehen die wirklich gelungenen Spezialeffekte. Egal ob Magneto Uri Geller alt aussehen lässt, denn was Geller mit Löffeln machte, macht Magneto mit der Golden Gate Bridge. Storm darf das eine oder andere Donnerwetter aufziehen lassen; aber Charakterschauspiel bietet hier niemand. Etwas schade, denn eigentlich könnte Halle Berry doch mehr bieten, als den "Wetterfrosch". Wer großes Effektkino mag, wird dennoch bestens bedient.
Das Drehbuch wiederum mag nicht ganz überzeugen. Es ist zu offensichtlich unausgegoren. So verheizt Magneto in der finalen Schlacht etwa haufenweise Mutanten, statt gleich selbst einzugreifen, oder Jean als Geheimwaffe zu nutzen. An anderen Stellen fällt auf, dass Situationen nur herbeigeführt werden, um mal wieder einen Mutanten durchs Bild laufen zu lassen, der (ganz nebenbei) seine Spezialkräfte demonstriert. An anderen Stellen kommen Figuren völlig unmotiviert ins Bild gelatscht. Vielleicht haben die Mutanten im Institut auch nichts anderes zu tun, als nur durch die Gänge zu laufen ;-)?
Ein weiterer Schwachpunkt ist die nicht durchgängige Dramaturgie. Gerade weil an Beginn und Ende Knalleffekte stehen, fällt auf, dass die Spannung in der Filmmitte plötzlich nicht mehr vorhanden ist. Die angeschnittenen Probleme werden zudem doch sehr oberflächlich behandelt. Gleichzeitig verliert die Handlung an Wirkung, weil sie sich selbst zu ernst nimmt. Statt ab und an auflockernde Witze einzustreuen, geht es in bedrückender Stimmung dahin. Erst im wirklich furiosen Finale kommen die Gags. Außerdem leuchtet nicht ein, weshalb neue Figuren eingeführt werden, ohne dass der Zuschauer sie wirklich kennen lernen kann? Denn die "Neuen" dienen in erster Linie als Kanonenfutter im Kampf. Nicht zuletzt fehlt das klare Plädoyer für die Akzeptanz der Andersartigkeit. Eindimensional ist auch das Ende. Die Bösen sterben, oder werden zumindest gestraft, und die Guten gehen als Sieger hervor.

Fazit
Zugegeben, ich bin der falsche Kritiker. Schon die Vorgänger ließen mich kalt. "X-Men 3 - Der letzte Widerstand" ist in meinen Augen nicht wirklich schlecht und nicht wirklich gelungen. Ein Kinofilm, dessen Grundlage mehr Potential bietet, als ausgeschöpft wird.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "

Land: USA 2006

Laufzeit ca.: 104 Minuten

Kinostart / Filmstart: 25.05.2006

DVD-Start: 23.10.2006

Regie: Brett Ratner

Drehbuch: Zak Penn

Schauspieler (Besetzung): Halle Berry, Hugh Jackman, Rebecca Romijn-Stamos, Patrick Stewart, Shohreh Aghdashloo, Ian McKellen, Famke Janssen, Anna Paquin, Kelsey Grammer, James Marsden, Shawn Ashmore, Aaron Stanford, Vinnie Jones, Ben Foster, Dania Ramirez, Ellen Page

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