Kinofilm

Das Wandelnde Schloss - Kritik

Hauru no ugoku shiro

Die Begegnung mit dem ansehnlichen Zauberer Hauro hat für die junge Hutmacherin Sophie böse Folgen. Die Späher der Hexe aus dem Niemandsland haben das Treffen beobachtet und kurz darauf taucht die arglistige Frau im Hutladen von Sophies Mutter auf. Sie belegt die junge Frau mit einem Fluch, der sie augenblicklich in eine alte Frau von 90 Jahren verwandelt. Verzweifelt begibt sich Sophie am folgenden Tag auf eine beschwerliche Reise. Sie will im Land der Hexen und Zauberer Hauro finden, in der Hoffnung, der könne den Fluch unschädlich machen.

Das Alter macht ihr sichtlich zu schaffen und Sophie kommt auf der Wanderung nur langsam voran. Ein wenig Hilfe bekommt sie von ihrem neuen Weggefährten, einer hüpfenden Vogelscheuche, der sie den wenig schmeichelhaften Namen Rübe gibt. Rübe lotst sie und plötzlich sieht Sophie "Das wandelnde Schloss". Das eigenartige, zusammengewürfelte Gebilde läuft auf Vogelbeinen und ist ständig unterwegs. Sie kann im letzten Moment aufspringen und trifft an der Feuerstelle den Feuerdämon Calcifer. Mit ihm geht sie einen Handel ein. Sophie soll das Rätsel lösen, das Calcifer und Hauro miteinander verbindet. Im Gegenzug will der Dämon Sophies Fluch umkehren. Da im Innern des Hauses eine unbeschreibliche Unordnung herrscht, beschließt Sophie sich selbst als Putzfrau einzustellen.
Am nächsten Morgen ist die Überraschung groß. Der Zauberlehrling Markl staunt nicht schlecht über die neue Mitbewohnerin. Die wiederum ist beeindruckt von seinen Fähigkeiten der magischen Tarnung. Eigenartig auch die Haustür, die in vier unterschiedliche Welten öffnet. Der Herr des Hauses wiederum ist wenig überrascht von der neuen Mitbewohnerin. Er kann, wie alle Zauberer und Hexen, den Fluch durchschauen und sieht in Sophie nicht die Alte, sondern die attraktive, junge Frau. Doch zunächst ist er von ihren Reizen wenig angetan, denn Hauro ist selbstverliebt, egoistisch und feige. So lebt er auf der Flucht, immer in der Angst, seine ehemalige Ausbilderin die mächtige Zauberin Suliman könne ihn aufspüren.

Richtig eng wird es für ihn, als er vom König die Order bekommt, sich bei Hof zu melden und im anstehenden Kampf für das Königreich in den Krieg zu ziehen. Wieder kneift Hauro und schickt an seiner Stelle Sophie in den Palast. Die soll den König dank ihrer praktischen Vernunft von der Unsinnigkeit eines Krieges überzeugen. Auf ihrem Weg dorthin begegnet sie erneut der Hexe aus dem Niemandsland und einem eigenartigen Hund. In der Annahme, Hauro sei ihr in Hundegestalt gefolgt, trägt Sophie den astmathischen Köter deshalb die vielen Treppenstufen zum Palast hinauf. Während sie anschließend mit der Zauberin Suliman spricht, wird die Hexe aus dem Niemandsland bestraft. Suliman entzieht ihr alle magischen Kräfte und übrig bleibt nur ein seniles altes Hutzelweib. Doch das ist nicht die einzige Überraschung. Die scheinbar freundliche Suliman zeigt nach dem Auftauchen von Hauro ihr wahres Gesicht. Eine machtgierige Frau, die das Königreich in den Krieg treibt! Nur um Haaresbreite können Sophie, Hauro das alte Weiblein und der Hund entkommen. Doch damit ist das Abenteuer noch lange nicht ausgestanden. Während der Krieg der Stadt immer näher kommt, gehen Calcifer die magischen Kräfte aus. Es ist höchste Eisenbahn, dass Sophie die wahren Hintergründe aufdeckt und das Blatt zum Guten wendet ...

Filmkritik

Das Genre Zeichentrick galt im Kino lange Zeit als "für Kinder". Zu Weihnachten brachte "Disney" traditionell seinen großen abendfüllenden Trickfilm heraus. In den letzten Jahren kam es zu Umbrüchen in der Branche. Das Studio "Pixar" überholte mit seinen computeranimierten Werken ("Findet Nemo", "Die Unglaublichen") die traditionelle Technik. Dieser Film schlägt einen anderen Weg ein. Er wirkt handgezeichnet und bringt ein japanisch-europäisches Märchen auf die Leinwand.
Die überwiegend ruhige Handlung erzählt eine phantasievolle Geschichte, die verschiedene Welten verknüpft. Sie fusst auf einem englischen Roman, der von einem Japaner verfilmt wurde - aber in Europa spielt. So agieren Darsteller mit nichtasiatischen Gesichtern vor einer europäischen Kulisse. Das Elsass diente als Vorlage für Sophies Heimatstadt und die Alpen standen Pate für einen geheimen Garten. Obwohl diese Landschaften nicht unbedingt prachtvoll sind (Computerspiele bieten heutzutage gewaltigere Impressionen), spielt die Schönheit der Landschaft eine nicht unerhebliche Rolle. Viele Storyelemente wiederum sind unverkennbar japanisch. Wie bei asiatischen Kino-Produktionen üblich, gehört selbstverständlich der Glaube an Geister dazu sowie eine gute Portion Magie.
Das Grundgrüst der Story ist auf den ersten Blick einfach gestrickt und seine einzelnen Elemente wirken unspektakulär. Aber im Zusammenspiel mit der Musik ergibt sich ein beeindruckendes Ganzes. Auf den zweiten Blick ist die Handlung dann doch nicht so einfach wie es anfangs den Anschein hat: Die Personen zeigen ihre Schattenseiten. Die mächtige Zauberin Suliman ist keine gütige Frau, sondern machtgierig, sadistisch und bereit das Land in einen Krieg zu stürzen. Interessant auch die Veränderungen. Der feige Hauro durchläuft dank Sophie eine Entwicklung hin zum verantwortungsvollen, jungen Familienvater. Während Sophie, die unter der Einbildung leidet hässlich zu sein, dank ihres offenen Herzens aus dem losen Haufen eine Familie erwachsen lässt. Somit ist eine der großen Wendungen auch eine der klassischten. Die vielen keinen Umschwünge wiederum bleiben teils schwer nachvollziehbar. Das betrifft auch das verwaschene Ende, das die Handlung beendet ohne eine befriedigende Auflösung zu bieten. Ein weiteres Manko sind die stellenweise recht eigenwilligen Dialoge. (Und für den Kritiker die anstrengende Stimme von Sunnyi Melles.)

Wirklich schön: Die gesamten knapp zwei Stunden gibt es viele Kleinigkeiten und Details zu entdecken. Die Maschinen etwa sind eine Mischung aus "Dampfmaschinen und Magie". Fliegende Objekte ähneln Meerestieren und nutzen zur Fortbewegung Flossen. Immer wieder lockern Witze die Handlung auf. So rutscht Hauro beim Treppensteigen das Handtuch vom Po - was Sophie errötend bemerkt. Der asthmatische Hund Hin sorgt nicht nur mit seinem menschlichen Gesicht für Lacher - zu sehr erinnert er an einen laufenden Handfeger.
Einige Elemente erinnern an die Vorgänger. Wie in "Chihiros Reise ins Zauberland" spielt ein Handel eine bedeutende Rolle und wieder bedarf es einer starken Frau das Rätsel zu lösen. Das Verhältnis Mensch und Natur, das in "Prinzessin Mononoke" noch den roten Faden bildete, und in "Chihiros Reise ins Zauberland" eine Komponente bildete, greift "Das wandelnde Schloss" hingegen nicht mehr auf.

Fazit
Alles in allem rund. Ob nun für die ganze Familie oder ein Märchen für Erwachsene sei dahingestellt. Mir gefällt er sehr gut - ich habe ihn bereits zweimal gesehen.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "Hauru no ugoku shiro"

Land: Japan 2004

Laufzeit ca.: 117 Minuten

Kinostart: 25.08.2005

DVD-Start: 27.02.2006

Regie: Hayao Miyazaki

Drehbuch: Hayao Miyazaki

Deutsche Sprecher (Besetzung): Robert Stadlober (Hauro), Sunnyi Melles (Sophie), Kevin Iannott (Markl), Gerald Schaale (Calcifer), Barbara Ratthey (Hexe), Maddalen Kerrh (Suliman), Claudia Lössl (Lettie), Marian Köhler (Hanna), Thomas Rauscher (König), Marion Hartmann (Bettsy)

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