Kinofilm

Vier Brüder - Kritik

Four Brothers

Evelyn Mercer (Fionnula Flanagan) ist eine gute Seele. Als sie im Geschäft ein Kind beim versuchten Ladendiebstahl ertappt, schickt ihr Zeigefinger es geschwind wieder auf den richtigen Weg. Für die alte Dame ein Kinderspiel.

Hat sie doch höchstselbst vier Adoptivsöhne großgezogen, die ohne ihre weisende Hand werweißwo gelandet wären. Doch Gutes zu tun, zieht nicht immer nur Gutes nach sich. Als wenige Minuten später der Laden ausgeraubt wird, erschießen die Täter die alte Frau kaltblütig. Während der Inhaber von einem schrecklichen Zufall ausgeht, schließen ihre vier Adoptivsöhne (Mark Wahlberg, Tyrese Gibson, André Benjamin, Garrett Hedlund), es war geplanter Mord, der nur als Überfall getarnt wurde. Ihr anschließender Rachefeldzug gibt ihnen nicht nur Recht, sondern auch die Rechtfertigung zur Blutrache.

Filmkritik

Der klassische Western ist derartig oft totgesagt worden, dass er still und heimlich schon längst wieder auferstand. Nicht in Kevin Costners "Open Range" (2003) sondern viel mehr in Filmen wie "Mystic River", die klassische Western-Muster für aktuelle Thematiken adaptierten. So verlegt auch John Singleton in seiner freien Neuverfilmung des Westerns "Die vier Söhne der Katie Elder" Bekanntes in die Jetztzeit. Er inszeniert das Rachedrama von vier Männern, die zwar nicht mehr die Freiheit der Prärie erleben, sich aber die Freiheit nehmen, Selbstjustiz zu üben. Das ist ohne Frage, das Recht eines jeden freien Mannes. Zwar verzichtet die Handlung auf den klassischen Viehdiebstahl, doch immerhin besteht das Quartett aus Kleinkriminellen. Die Graslandschaft muss der Enge der Hood weichen, dafür ist Detroit mindestens genauso bleihaltig, wie der Wilde Westen es einst war.
Etwas eigenwillig gestaltet sich dabei die Tatsache, dass der Regisseur in nahezu jeder Hinsicht übertrieb. Ein durchgängiges Stilmittel, das ohne Bruch auskommt, aber nicht immer den gewünschten Effekt erzielt. So kam es den Darstellern offensichtlich entgegen, überaus männlich zu agieren, weil so mangelndes schauspielerisches Talent mit markiger Männlichkeit kaschiert werden konnte. Doch weshalb Frauen entweder Heilige sind (die Mutter), oder einfach nur dümmlich hysterische Ziegen (als Freundin) das leuchtet ebenso wenig ein, wie die Darstellung der Gewalt. So gibt es beispielsweise die (klassische) Belagerung des Wohnhauses. Diese Schießerei dauert derartig lange, dass bereits die Ziegel aus der Häuserwand geschossen werden. Die Polizei rückt natürlich erst an, nachdem alles vorbei ist - genauso wie bei den Verfolgungsjagden mit Todesfolge. Etwas eigenartig, da Detroit ansonsten wahrscheinlich kein rechtsfreier Raum ist. An anderen Stellen kippt die Überzeichnung ins karikative: Ziemlich albern wirkt es beispielsweise, wenn die markigen Brüder an Thanks Giving ein Tischgebet sprechen, weil Mutter es ihnen so beibrachte und brav Salat essen, weil der ja so viele Vitamine hat.

Fazit
Das Zusammenspiel der vier Brüder ist stellenweise gut gelungen und interessant gestaltet. Die Überzeichnung allerdings ein Stilmittel, das bereits in "2 Fast 2 Furious" hart an der Parodie vorbeischrammte. Wer's mag, wird’s mögen. Mich ließ das Hohelied auf die hohen Männer völlig kalt.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "Four Brothers"

Land: USA 2005

Laufzeit ca.: 108 Minuten

Kinostart / Filmstart: 10.11.2005

Regie: John Singleton

Drehbuch: David Elliot, Paul Lovett

Schauspieler (Besetzung): Mark Wahlberg, Tyrese, Andre Benjamin, Garrett Hedlund, Fionnula Flanagan, Terrence Dashon Howard, Taraji P. Henson, Sofia Vergara, Taraji P. Henson, Chiwetel Ejiofor, Josh Charles, Dax Ravina, Richard D. Leko, David Sparrow, Benz Antoine

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