Kinofilm

Das Versprechen

The Pledge

Detective Jerry Black (Jack Nicholson) steht kurz vor seiner Pensionierung, als ein kleines Mädchen tot aufgefunden wird - vergewaltigt, schwer misshandelt und grausam zugerichtet. Black gibt der Mutter des Mädchens "Das Versprechen", den Mörder zu finden:

Er schwört "auf sein Seelenheil". Ein vorbestrafter Indianer (Benicio del Toro) gesteht kurz darauf die Tat, doch Black glaubt im Film nicht an dessen Schuld. Auf eigene Faust macht er sich an die Aufklärung des Verbrechens, stellt Nachforschungen zu ähnlich gelagerten Fällen an, während seine ehemaligen Kollegen ihn für durchgedreht erklären. Er allein glaubt an die Existenz des "Riesen", der seine Opfer mit "Igeln" ködert. Als Black die Kellnerein Lori (Robin Wright Penn) und ihre Tochter Chrissy kennen lernt, kommt dem Hobbyfischer die Idee, selbst einen Köder auszuwerfen ...

Kritik: Die Geschichte kennt man bereits aus "Es geschah am helllichten Tag" mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe. Friedrich Dürrenmatt schrieb 1958 das Drehbuch zu dem Film und entwickelte später daraus seinen Roman "Das Versprechen". Sean Penn hat sich nun als Regisseur diesem Thema angenommen. Herausgekommen ist ein Kino-Film, der die Zuschauer fesseln will, aber auf mysteriöse Weise alle Möglichkeiten, dies zu tun, ungenutzt verstreichen lässt.
Da man die Geschichte kennt, freut man sich auf scharfgeschnittene Charakterstudien, aber Fehlanzeige: Die Figuren - schablonenartig: Ein besessener Rentner, erschütterte Eltern eines ermordeten Mädchens und Blacks Gegenspieler bei der Polizei, der schnöselige Hardliner (Aaron Eckhart): All diese Figuren kennt man zur Genüge, man sieht sie in jeder drittklassigen Polizei-Serie in privaten Programmen. Die Motivation der Film-Figuren - unklar: Jerry Black gibt sein Versprechen einer Frau, die er gerade fünf Minuten kennt, weil er ihr die Nachricht vom Tod ihrer Tochter gebracht hat, die ihn schwören lässt auf sein Seelenheil und auf ein Kreuz, das ihre Tochter gebastelt hat - und Black schwört. Das soll wohl eine starke, eine emotionale Szene sein, aber als Zuschauer fragt man sich: Warum so pathetisch? Warum reagiert Black so, wie er reagiert? Was bringt ihn dazu, diese Verpflichtung abzugeben und so besessen an der Aufklärung zu arbeiten? Die fehlende Arbeit? Die nach Eintritt der Rente neu entstandene Lücke in seinem Leben?
Wahrscheinlich schon, klingt logisch, das Problem ist nur: ich sehe das nicht in Blacks Figur und ich spüre es nicht, wenn ich Nicholson zusehe. Was ich sehe ist ein Mann, der mal mit seinem Truck Viehzäune actiontechnisch durchbricht, weil er einer Kuhherde ausweichen will, mal fischend in aller Ruhe auf dem See paddelt. Was ich sehe ist eine Lori, die heimlich zusieht, wie Jerry ihrer Tochter Märchen vorliest, zu weinen beginnt, mit Jerry schläft und danach mit ihm die heile Familie gründet. Was ich sehe sind Blicke in den Himmel auf kreisende Vögel, die keine Antwort auf nichts geben.
Das einzig neue, das Penns Film-Version von seinem Vorgänger abhebt, ist das Ende (das ich hier nicht verraten will), aber ganz ehrlich: Wegen dieses Endes hätte es die 119 Minuten davor nicht gebraucht. Zumal es auch an der Bewertung der Handlungen des Jerry Black nichts ändert. Am schlimmsten ist es jedoch Jack Nicholson dabei zuzusehen, wie er sich selbst vom Sockel holt: Das tut schon regelrecht weh. Wenn er mit irrem Blick und zerfahrenen Selbstgesprächen am Ende den Verrücktgewordenen mimt (weiss man ja, das Verrückte immerzu vor sich hin brabbeln) möchte man weinen - aber nicht vor Ergriffenheit, sondern vor Glück, dass die Langeweile ein Ende hat.
Dürrenmatt schreibt: "...dass diese Geschichte eben leider noch eine Pointe aufweist, brauche ich Ihnen nicht zu verheimlichen, und dass dies eine reichlich schäbige Pointe ist, werden Sie ahnen, so schäbig, dass sie einfach nicht zu verwenden ist, in keinem anständigen Roman oder Kino-Film. Eben.
Tina Manske

Credits

Original Film-Titel: "The Pledge"

USA 2000

Kinostart: 11.10.2001

Laufzeit ca. 123 Min.

Regie: Sean Penn

Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski

Schauspieler (Besetzung): Jack Nicholson (Jerry Black), Patricia Clarkson (Margaret Larsen), Benicio Del Toro (Toby Jay Wadenah), Dale Dickey (Strom), Aaron Eckhart (Stan Krolak), Costas Mandylor (Monash Deputy), Helen Mirren (Ärztin)

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