Kinofilm

47 Ronin

Die Verfilmung eines japanischen Mythos mit Keanu Reeves in der Hauptrolle verspricht alles zu bieten, was man von einem Action-Spektakel erwarten kann: Spannung, Kämpfe, eine unglückliche Liebe und eine exotische Kulisse. Im Idealfall wird dies abgerundet mit schönen Kostümen und einer hervorragenden Kameraführung.

"47 Ronin" ist kein Idealfall. Dazu später mehr. Zunächst zum Inhalt, der den Mythos mit modernen Fantasieelementen mischt. Nach einer groben Einführung der Figuren begeht Fürst Asano (Min Tanaka) rituellen Selbstmord. Weil er den Fehltritt, der zu seinem Sturz führte, unter dem Einfluss einer fiesen Hexe (Rinko Kikuchi) beging, wollen seine Samurai den Tod des Fürsten rächen, um dessen Ehre wiederherzustellen. Auch sie haben ihren Stand verloren und sind keine Samurai mehr, sondern 46 Ronin. Nummer 47 in ihrem Bund ist das Halbblut Kai (Keanu Reeves), der am Hof des Fürsten aufwuchs und seit Kindheit an in die Prinzessin Mika (Ko Shibasaki) verliebt ist.

Kritik

"47 Ronin" fußt auf einem alten japanischen Mythos und erfüllt in Ansätzen die formalen Anforderungen eines asiatischen Epos. So bildet die Triebfeder der Ronin die Ehre, die selbst um den Preis von 47 Menschenleben wiederhergestellt werden muss. Gleichzeitig ist der Akt der Rache auch ein Beweis der Treue, den 47 Männer ihrem toten Fürst zollen. Die Liebesgeschichte bleibt unerfüllt und auch die Szene im Bambuswald wurde nicht vergessen. Somit sind einige formale Anforderungen gegeben. Was noch nichts über die einzelnen Elemente, die über das Gelingen entscheiden, aussagt. Werfen wir einen Blick darauf.

Für Filme aus Hollywood werden gerne bekannte Stoffe filmgerecht aufbereitet. Doch in diesem Fall funktioniert das Hin- und Zurechtbiegen erstaunlich schlecht. So wird viel über die tragenden Themen geredet - doch bis zum Schluss werden sie nicht nahegebracht und erscheinen nicht einleuchtend. Zudem sind sie von den Darstellern nicht gespielt. Wenn einem Fürsten 47 Männer in den Tod folgen sollen, dann muss die Figur des Herrschers dies auch ausstrahlen. Doch weder der Fürst noch der Shogun verkörpern Größe.
Außerdem erklärt sich mir die Anwesenheit von Keanu Reeves nur bedingt. Seine Figur passt nicht in den Mythos, noch kann ich erkennen, inwiefern der Darsteller den Film bereichert. Einmal mehr tritt Reeves mit nur einem Gesichtsausdruck auf. Zu Anfang gibt er den Martyrer und leidet ganz furchtbar; auch unter der unerfüllten Liebe. Doch einen ganzen Film hindurch einfach nur sauertöpfisch zu gucken überzeugt nicht.
Folglich gibt es für sein Mitwirken nur eine Erklärung: Da Nicht-Japaner die Motivation der 46 Ronin wahrscheinlich nicht nachvollziehen können, gibt man ihnen Reeves als Identifikationsfigur. Deren Antrieb besteht darin, die geliebte Prinzessin zu retten. Mit Reeves mitzufiebern fällt mir aus genanten Gründen schwer. Hinzu kommt, dass es zwischen den Liebenden nicht funkt.

Leider auch nicht stimmig: die Kampfszenen, die nicht beeindrucken. Egal ob ich den Film als Kampfkunst oder Erzählung einstufe. Für Martial Arts wird zu wenig gekämpft und für Augenschmaus fehlt die Ästhetik. Auf fliegende Menschen kann ich verzichten - doch diese Kämpfe bleiben trotz schneller Schnitte unspektakulär. Da helfen auch die Trickmonster nicht, die wie gewollt und nicht gekonnt wirken. Das Gefecht im Finale wirft bei mir die Frage auf, weshalb die Schwester des Glücksdrachen Fuchur aus der "Unendlichen Geschichte" hier auftaucht und so einen schlechten Tag hat? Ähnliches denke ich über den Wolldämon zu Filmauftakt.

Bleibt noch die visuelle Gestaltung. Von Ästhetik kann ich nicht sprechen. Weder hinsichtlich der Bildgestaltung noch der Kostüme. Letztere, die noch am ehesten überzeugen, haben etwas von Karneval. Im Ergebnis gelingt es dem Film nicht einen markanten Stil zu entwickeln. Selbst gern genutzte Themen hinken in diesem Film. Beispielsweise hängt die Hexe von der Decke, weil das in asiatischen Horrorfilmen ein beliebtes Motiv ist. In "47 Ronin" wirkt es wie Budenzauber.

Viele der genannten Punkte wären zu vernachlässigen, wenn die Spannung stimmt. Doch Mitfiebern kann ich von Anfang bis Ende nicht. Die Dialoge erinnern mich an einen verfilmten Trivialroman. Und die Leistungen der Darsteller sind durchgängig schwach. Szenen und Handlungsstränge folgen aufeinander ohne ein stimmiges Ganzes zu ergeben.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Wertung: 40 %
Credits

Original Film-Titel: "

Land: USA 2013

Laufzeit in Minuten ca.: 118

Kinostart / Filmstart: 30.01.2014

Regie: Carl Rinsch

Drehbuch: Chris Morgan, Hossein Amini

Schauspieler (Besetzung): Keanu Reeves, Hiroyuki Sanada, Tadanobu Asano, Rinko Kikuchi, Caro Hiroyuki-Tagawa, Ko Shibasaki, Togo Igawa, Jin Akanishi, Min Tanaka, Takato Yonemoto, Masayoshi Haneda, Natsuki Kunimoto

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