Kinofilm

Tage am Strand

Two Mothers

Die Verfilmung einer Kurzgeschichte von Doris Lessing schildert die Beziehungen zweier Frauen zu jüngeren Männern. An und für sich kein Tabu, doch wenn man weiß, dass die vier quasi wie eine Großfamilie miteinander leben, ist das Thema für viele Interpretationen gut. Der Film legt den Fokus jedoch weniger auf die psychologische Ausdeutung, als auf die entspannte Schilderung.

Roz (Robin Wright) und Lil (Naomi Watts) wachsen als beste Freundinnen in einem kleinen Badeort an einer australischen Küste auf. Ihre Freundschaft überdauert die Kindertage und hält an, bis die Frauen die Vierzig überschreiten. Lils Ehemann ist verstorben und seit dessen Tod ist sie keine feste Beziehung mehr eingegangen. Roz' hat Karriere als Galeristin gemacht und ihre Ehe mit Harold (Ben Mendelsohn) hat schon bessere Tage erlebt. Beide Frauen sind nicht nur beste Freundinnen, sondern haben einen mittlerweile herangewachsenen Sohn, zu dem die Freundin jeweils wie eine zweite Mutter steht. Die Vier bilden eine eingeschworene Clique, zu der Außenstehende nur schwer Zugang finden. Selbst Roz' Ehemann Harold bleibt außen vor.

Die Beziehung der Frauen zu den jungen Männern geht eines Tages über das Freundschaftliche hinaus. Es beginnt mit Affären und mündet in Beziehungen. Und weil die besten Freundinnen immer über alles reden, kommt auch dies zur Sprache und frau versichert sich gegenseitig, noch nie im Leben so glücklich gewesen zu sein. Das geht eine Zeit lang gut. Doch dann nagen Zweifel an Roz und sie meint, dass die Söhne doch besser mit einer Partnerin gleichen Alters bedient wären. Sie bricht mit Ian und infolgedessen müssen auch Lil und Tom sich trennen. Doch für Gefühle gibt es keinen Ausschalter.

Kritik

Der Kinofilm unter der Regie von Anne Fontaine ist auf viele Arten deutbar. Die Mütter, wie auch ihre Söhne, verlassen den Ort der Kindheit nicht. Das kann als Komplex gedeutet werden. Vielleicht haben hier Menschen auch nur ihr Paradies gefunden? Der Film überlässt es dem Zuschauer ein Urteil zu fällen. Womit die Frage einhergeht, ob man überhaupt ein Urteil fällen möchte? Es ist genauso gut möglich einfach die Bilder von den schönen Tagen am Strand zu genießen und sich die Frage zu stellen, warum eigentlich nicht? Warum sollten diese Menschen keine Beziehungen miteinander eingehen?

Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht, denn leider ist es so, dass der Film nicht nur wenig Antworten gibt, sondern auch nicht in die Tiefe geht. Selbst in heiklen, und somit interessanten Momenten, wird nur das Notwendigste gesagt. Szenen wirken mitunter wie abgeschnitten. Und sie haben den Beigeschmack, dass die Handlung teils hölzern verläuft und nicht geschmeidig ist. Durch das Weglassen fehlen Begründungen. Das betrifft selbst das Grundsätzliche, denn der Film erklärt nicht, worin die Anziehung unter den Partnern besteht. Zugegeben - er rückt die Hauptdarstellerinnen ins beste Licht. Doch die rein körperliche Anziehung reicht auf Dauer für eine Beziehung nicht aus. So bleibt der Kern der Sache schleierhaft und die Handlung flach.

Fazit
"Tage am Strand" kommt auf den Punkt. Allerdings erst relativ spät. Bis dahin macht es stellenweise Spaß den Film anzusehen. Dann wirkt er wieder zu "nett", will seinen starken Hauptdarstellerinnen zu sehr schmeicheln. Die naturalistische Umgebung täuscht nicht darüber hinweg, dass es im Ergebnis ein Kunstdrama ist, das einen Gutteil seines Potenzials leider verschenkt.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %

Credits

Original Film-Titel: Two Mothers

Land: Australien / Frankreich 2013

Laufzeit in Minuten ca.: 112

Kinostart / Filmstart: 28.11.2013

Regie: Anne Fontaine

Drehbuch: Christopher Hampton

Schauspieler (Besetzung): Naomi Watts, Robin Wright, Xavier Samuel, James Frecheville, Ben Mendelsohn, Sophie Lowe, Jessica Tovey, Gary Sweet, Alyson Standen

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