Kinofilm

21 Jump Street - Kritik

Noch einmal die Schulbank drücken zu dürfen ist für die Wenigsten eine Traumvorstellung. Auch die zwei unterbelichteten Cops (Jonah Hill, Channing Tatum) sind nicht begeistert, als sie für einen Undercover-Einsatz an einer High School ermitteln müssen. Wegen ihres jungen Aussehens sollen sie sich unter die Schüler mischen und herausfinden, wer an der Schule die neue synthetische Droge herstellt und vertreibt.

Schon der erste Schultag mündet in ein Fiasko. Jenko (Channing Tatum) war vor wenigen Jahren noch der Coole von der Schule. Doch die Schüler von heute sind das Gegenteil von damals. Sie sind verständnisvoll, tolerant und sorgen sich um die Erde. Da eckt Jenko mit seiner großmäuligen Art überall an. So verpasst er als Begrüßung einem Farbigen einen Kinnhaken - der sich dann als schwuler Farbiger herausstellt. Einen noch mieseren Einstand hätte Jenko gar nicht geben können. Ganz anders ergeht es seinem Kumpel Schmidt (Jonah Hill). Einst der ewige Looser trifft er den Nerv der Jugendlichen von heute. Damit nicht genug, lernt er auch seine Traum frau kennen. Doch die Regeln von Captain Dickson (Ice Cube), der die Abteilung leitet, sind einfach und klar: Kein Sex, keine Drogen und kein Alkohol. Klar, dass die zwei Cops die Regeln so schnell wie möglich brechen werden.

Filmkritik

Zunächst hatte ich so meine Bedenken. Und die Eröffnungsszene mit Jonah Hill im Eminem-Look und der entsprechenden Musik schien mir recht zu geben. Doch dann wurde der Film so schnell so lustig, dass ich mich halb schief lachte.

Der Kinofilm "21 Jump Street" setzt alles daran, möglichst viele Klischees der Feelgood-High-School-Komödie durch den Kakao zu ziehen. Das beginnt schon bei der Begründung des Films, weshalb die zwei Cops überhaupt an die Schule zurückkehren. Sinngemäß lautet sie: Weil der Polizei nichts mehr einfällt, hat sie ein Programm aus den 80. wieder aufgelegt. Das spielt auf die gleichnamige TV-Serie an, in der Johnny Depp mitspielte.

Dann geht der Film die Themen an, die wohl viele von uns noch gut in Erinnerung haben: Bei den Eltern wohnen. Eine Party geben, die von den zurückkehrenden Eltern jäh beendet wird. Chemie-Unterricht und Theater-AG. Zudem entlarvt der Film beliebte Klischees von Polizeifilmen; wie etwa die Verfolgungsjagd. Bei der werden mehrere Tanklaster angeschossen, die nicht explodieren. Erst ein LKW mit Methan- oder Biogas ... mehr will ich nicht verraten.

Natürlich darf auch eine Kirche nicht fehlen, in der ein grottenhässlicher Korea-Jesus aus Plastik hängt. Und in der ein dicker Farbiger (Ice Cube) das Sagen hat. Dessen Umgangston ist, wie auch im Rest des Films, frisch von der Straße und mit Fourletterwords durchsetzt. Insgesamt wimmelt es von Schimpfwörtern und Sex-Witzen. Den Drehbuchautoren ist es jedoch gelungen, dass alles so geschickt umzusetzen und einzuflechten, dass man sich (trotzdem) köstlich amüsiert.

Was nicht zuletzt den zwei Hauptdarstellern Jonah Hill und Channing Tatum zu verdanken ist, die sich ständig in den Haaren liegen. Auch wenn sie mittlerweile gute Freunde geworden sind, herrscht eine unterschwellige Rivalität zwischen ihnen, weil beide klare Stärken und Schwächen haben. So spielen sich die zwei Mimen nicht nur die Bälle zu, sondern die Chemie zwischen ihnen stimmt.

Ein weiterer Faktor des Gelingens ist, dass Hill und Tatum die dämlichen Polizisten todernst spielen. So haben sie die klassische Beweistafel aufgebaut, auf der die Verdächtigen mit Fäden verbunden sind. Nur der Hauptverdächtige ist noch durch Phantomfoto mit Fragezeichen dargestellt. Dann erklären die zwei Supertrottel dass das Fragezeichen nicht das Gesicht des Gesuchten darstellt, sondern ...

Nicht minder gelungen ist die körperliche Komik, die man gesehen haben muss. Da bekriegen sich Hill und Tatum während der Schultheateraufführung. Hill trägt ein lächerliches Kostüm (eine Mischung aus Robin Hood und Peter Pan) und hängt an Drahtseilen. Wodurch er wie ein dicker Frosch dem leichtfüßigen Tatum enthüpft, ihn dabei mit Glitzer bewirft und flucht: Friss Feenstaub!

Fazit
Wider Erwarten wurde ich angenehm überrascht. Channing Tatum ist nach wie vor kein brillanter Schauspieler; bringt jedoch den Komiker gut rüber. In vielen Szenen ist es sogar komischer als Noah Hill. Der Humor setzt auf Entlarvung, Überdrehtheit, körperliche Komik, gespielte Witze, Sex-Witze und eine gute Portion Klamotte. Nicht zuletzt kennt man vieles aus eigener Erfahrung. Wenn Tatum darum bitten muss, den Unterricht verlassen zu dürfen, dann kommen längst vergessen geglaubte Erinnerungen wieder hoch ...
Filmkritik: Thomas Maiwald

Wertung: 75 %

Credits

Original Film-Titel: "

Land: USA 2012

Laufzeit in Minuten ca.: 105

Kinostart / Filmstart: 10.05.2012

Regie: Phil Lord, Christopher Miller

Drehbuch: Michael Bacall

Schauspieler (Besetzung): Jonah Hill, Channing Tatum, Brie Larson, Dave Franco, Rob Riggle, DeRay Davis, Ice Cube, Dax Flame, Chris Parnell

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