Kinofilm

Spieglein Spieglein - Kritik

Manche Geschichten sind so alt, dass sie nicht mehr richtig erzählt werden. Diesen misslichen Umstand ändert dieser Film. Aus der Sicht der bösen Königin schildert er die Geschichte von Schneewittchen neu. Das ist grundsätzlich zu begrüßen - doch die Neuinterpretation geht mit zu vielen Schwachpunkten einher.

So missfallen die vielen Inkonsequenzen, die bereits bei der Ausrichtung auf die Zielgruppe beginnen. "Spieglein Spieglein" ist als Film für die ganze Familie konzipiert - funktioniert so jedoch nicht, weil die Handlung für Erwachsene zu wenig Angriffsfläche bietet. Erwachsene werden die bissigen Bemerkungen der Stiefmutter verstehen, wie auch die Boshaftigkeit der Schönheitsbehandlung mit Vogelkacke und Botox-Skorpionen. Und es wird ihnen auffallen, dass die böse Stiefmutter zwar irgendwie böse ist, aber die Rolle einer Anziehpuppe viel besser ausfüllt, als die Rolle der Unterdrückerin. So gesehen funktioniert "Spieglein Spieglein" eher als Kinderfilm, weil Kinder gewisse Schwächen der Handlung nicht erkennen werden und deshalb akzeptieren.
Den Eindruck der Unstimmigkeit habe ich auch bei der Handlung. Schneewittchen darf etwas durchlaufen, was man als Selbsterfahrung / Entwicklung betrachten kann. Doch am Ende ist wieder alles beim Alten und es gibt für sie kein größeres Glück als die Hochzeit mit dem Prinzen. Ein Schritt vor, ein Schritt zurück.
Dass die Funktionsweise der Schwarzen Magie unerklärt bleibt, geht in Ordnung. Doch weshalb fragt die böse Stiefmutter nie nach der Konsequenz, die ihr Spiegelbild mehrfach androht? Und warum zaubert sie einen Liebestrank für Hunde? Ich kann mich nicht daran erinnern, im Film einen Hund gesehen zu haben. Und die daraus resultierende Hunde-Nummer von Armie Hammer berührt nur peinlich und ist ein schönes Beispiel dafür, dass es dem Film nicht so recht gelingen will Humor zu zeigen.

Von den Schwachpunkten des Drehbuchs abgesehen, war die Besetzung der Regie nur bedingt eine gute Wahl, denn Tarsem Singh gelang es nicht, der Geschichte Leben zu verleihen. Unter seiner Regie entstand ein visuell interessanter Film, der die Optik klar in den Mittelpunkt stellt. Und für die Darsteller war es wahrscheinlich angenehm im besten Licht präsentiert zu werden. Doch der Geschichte tat es nicht gut.
So spielt Julia Roberts eine Frau, die mit dem Problem des Älterwerdens zu kämpfen hat. Allerdings wurden ihre Falten und Fältchen weggeschminkt. Im fertigen Film trägt sie jede Menge schöner Kostüme zur Schau - anstelle von Schauspielkunst. Für den Zuschauer wäre es jedoch viel interessanter gewesen, wenn die Schauspielerin fiese oder hässliche Seiten aufgezeigt hätte.

Ähnlich ergeht es Armie Hammer als Prinz Andrew Alcott von Valencia. Der darf seinen knackigen Körper in Unterhosen vorzeigen. Doch auch die Rolle bleibt im Ergebnis schwach. Sein Gehabe hat wenig von einem Prinzen und viel von einem Clown.
Besser ergeht es den Sieben Zwergen auch nicht, die jeweils ein Klischee verkörpern. Etwas besser kommt nur Lily Collins als Schneewittchen rüber, denn ihre Ausbildung zur Räuberprinzessin ist eine gefällige Idee.

Nicht zuletzt ärgern die doofen Effekte. So schneit es im Film fast unablässig - doch die Schneeflocken bleiben weder auf den Bäumen noch auf den Menschen liegen. Wie auch? Kommen sie doch aus dem Computer.

Fazit
Die Idee, ein altes Märchen in ein neues Gewand zu kleiden gefällt ebenso wie die Idee, einen Realfilm wie einen Zeichentrick erscheinen zu lassen. Und es hätte gelingen können - so ist das Ende im Bollywood-Stil viel versprechend. Doch der Weg dahin ist vor allem eines: uninspiriert.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Wertung: 40 %

Credits

Original Film-Titel: Mirror Mirror

Land: USA 2011

Laufzeit in Minuten ca.: 106

Kinostart / Filmstart: 05.04.2012

Regie: Tarsem Singh

Drehbuch: Marc Klein, Jason Keller

Schauspieler (Besetzung): Julia Roberts, Lily Collins, Armie Hammer, Nathan Lane, Mare Winningham, Michael Lerner, Sean Bean

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