Kinofilm

Gone - Kritik

Wenn dir niemand glauben oder helfen will, dann kannst du dir nur noch selber helfen. So ergeht es Amanda Seyfried in der Rolle einer jungen, traumatisierten Frau, die gegen ein Phantom ankämpft. Niemand will ihr die Geschichte ihrer Entführung glauben - bis der Täter erneut zuschlägt.

Jill (Amanda Seyfried) durchlebt eine schwere Zeit. Sie ist einem Serienkiller nur um Haaresbreite entkommen; doch mangels Beweisen hält die Polizei sie für eine Spinnerin. Und auch ihre Suche nach dem Erdloch, in dem der Killer sie und andere Frauen gefangen hielt, bleibt erfolglos. Eines Morgens ist ihre Schwester spurlos verschwunden und Jill weiß sofort, dass der Killer sie aufgespürt hat und ihre Schwester entführte. Doch die Polizei glaubt ihr wieder kein Wort. Also zieht Jill auf eigene Faust los, den Killer aufzuspüren und das Leben ihrer Schwester zu retten. Doch statt ihr zu helfen, jagt die Polizei sie, weil sie im Besitz einer Waffe ist.

Filmkritik

Der Kinofilm Gone macht im Ansatz vieles richtig und in der Ausführung fast alles falsch. Er kombiniert die Handlungsstränge Trauma und Selbstjustiz und setzt der Hauptdarstellerin ein Zeitlimit. Doch anstelle von Spannung kommt Unverständnis auf.
Der Nervenkitzel sollte in "Gone" in zwei Faktoren wurzeln. Einmal dürfte der Zuschauer nicht einschätzen können, ob es den Killer wirklich gibt. Dann müsste er raten, ob das Geschehen im Kopf der Heldin stattfindet oder ob es real ist. Auf Grund der gewählten Stilmittel bleibt dem Zuschauer keine Wahl. Es ist klar, dass Jill durch das Trauma gegangen ist und die Rückblenden keine Fantasie sind. Zudem gelingt es nicht, die junge Frau wegen ihrer Lügen als durchgeknallt darzustellen. Sie lügt zwar während ihrer Fahndung wie gedruckt, doch das macht einen einfallsreichen Eindruck, wirkt nie krank und passt zum zielstrebigen Auftreten. Immerhin besteht ihr Antrieb darin, das Leben der Schwester zu retten.

Der zweite spannungsgebende Faktor ist das Zeitlimit. Jill geht davon aus, dass der Killer ihre Schwester am Abend ermorden will. Also bleiben ihr nur wenige Stunden. Damit nicht genug, wird sie von der Polizei gejagt, weil diese erfahren hat, dass sie eine Waffe bei sich trägt. Doch dann bleiben die Polizisten mehr Statisten als Rollen, arbeiten derart ungeschickt, dass man es nicht glauben mag. Gestellte Fallen sind sofort als Falle zu erkennen und auf die Idee, das Handy der Flüchtigen zu orten, kommt niemand. So wirkt der Umstand, dass die Polizei auf die Jagd geht, anstatt zu helfen, wie ein gewolltes Stilmittel.

Bleibt noch die Spurensuche unter Zeitdruck. Auch die endet als Flop. Natürlich ist für eine epische Spurensuche keine Zeit. Doch dass der Täter Spuren so groß wie Hinweisschilder hinterlässt, kann einfach nicht wahr sein. Außerdem verwundern Zeugenaussagen wie die des Nachbarn, der nachts den Fahrer eines Wagens nicht erkennen konnte, weil es zu dunkel war. Aber die Farbe und den Werbeschriftzug des Autos beschreibt er so genau, dass dieser Schriftzug Jill sofort auf den richtigen Weg führt. Sie erfährt auch ohne große Umschweife, dass der Wagen an einen Unbekannten verliehen wurde. Dann findet sie weiterführende Beweise wie handelsübliches, graues Klebeband - was in der Praxis jeder kaufen und benutzen könnte - im Film jedoch nur zum Täter führt.

Wirklich schmerzhaft ist dann die Wendung, die eine Arbeitskollegin einläutet. Der Täter hat sich in dem Diner gezeigt, in dem Jill kellnert, und der Kollegin seine Handynummer gegeben. Somit sind alle bisherigen Recherchen hinfällig, denn ein Anruf genügt. Damit schlägt die Handlung in Rache und Selbstjustiz um - die ebenfalls langweilig bleibt. Jill telefoniert mit ihrem Peiniger, der sich als menschliches Navigationssystem zur Verfügung stellt - und auch ähnlich spannend klingt (in der englischen Fassung). Damit nicht genug, hat das Handy selbst im tiefen, tiefen Wald noch Empfang. Der reißt erst ab, wenn die Dramatik es erfordert. Und das obwohl der Täter, auf den Jill zusteuert, auch mit einem Handy telefoniert. Wahrscheinlich hat er ein anderes Netz ...

Nicht zuletzt vergisst der Film seine Heldin aufzubauen. Jill hat ein Trauma, aber keinen Lebenslauf. Der Film zeigt nur ihre Eckdaten wie Familienstand und Wohnung auf. Dort wo es interessant wird, nämlich beim Blick in ihre Psyche, bleibt es oberflächlich. Mal ein Wutausbruch im Selbstverteidigungskurs und Rückblenden erzeugen kein Mitfiebern. Das ist schade, denn Amanda Seyfried ist wahrscheinlich in der Lage das zu zeigen. Abschließend beurteilen kann ich das nicht. Ich staune nur darüber, dass die Produktion sie als unermüdliche Kämpferin zeigt, die in jeder Szene frischer wirkt als der Morgentau - selbst nach einer Nachtschicht im Diner.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Wertung: 20 %

Credits

Original Film-Titel: "

Land: USA 2011

Laufzeit in Minuten ca.: 95

Kinostart / Filmstart: 22.03.2012

Regie: Heitor Dhalia

Drehbuch: Allison Burnett

Schauspieler (Besetzung): Amanda Seyfried, Daniel Sunjata, Jennifer Carpenter, Sebastian Stan, Wes Bentley, Nick Searcy, Socratis Otto, Emily Wickersham, Joel David Moore

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