Kinofilm

Die Tribute von Panem - Kritik

In einer Welt, der unsrigen nicht unähnlich, herrschen Sitten wie im alten Rom. Das Volk wird mit Spielen bei Laune gehalten, bei dem 24 jugendliche Kämpfer (Tribute) gegeneinander antreten und sich gegenseitig umbringen, denn es kann immer nur einer gewinnen. So war es bislang. Doch dann tritt eine junge Frau an, die Regeln zu verändern.

Macht ausüben zu können ist etwas, das Menschen soweit gehen lässt, ihre eigene Menschlichkeit zu vergessen. Die Begründungen dafür sind vielfältig. Im Kinofilm "Die Tribute von Panem - The Hunger Games" hat ein gewonnener Krieg die Herrschenden vergessen lassen, dass wir alle Menschen sind. Sie veranstalten jedes Jahr die Hunger Games. Vorgeblich um an die Errungenschaften zu erinnern. Aber in Wahrheit um ihre Sensationslust zu befriedigen und die Unterdrückten klein zu halten. In den 12 Distrikten des Landes Panem werden jeweils ein Mädchen und ein Junge ausgelost. Die 24 unglückseligen Teilnehmer müssen dann gegeneinander kämpfen, bis es nur einen Überlebenden gibt. Das grausame Spektakel wird als TV-Event übertragen.

Als die Wahl im Distrikt 12 auf die kleine Primrose (Willow Shields) fällt, meldet sich ihre Schwester Katniss (Jennifer Lawrence) freiwillig. Gemeinsam mit Peeta (Josh Hutcherson) wird sie in die Regierungshauptstadt gebracht und einige Tage lang auf den Kampf vorbereitet. Die Tribute (im Sinne von Opfer / Steuer) werden wie für eine Castingshow herausgeputzt, dem Publikum präsentiert - und dann aufeinander gehetzt. Austragungsort ist eine Arena, die aus einer großen Waldlandschaft besteht. Hier kämpfen die Jugendlichen ums Überleben. Ihre Feinde sind die anderen Tribute, die Natur - und nicht zuletzt die Spielleitung, die das Geschehen manipuliert.

Filmkritik

Die Roman-Trilogie, die der Verfilmung zugrunde liegt, habe ich nicht gelesen und kann deshalb nicht beurteilen, wie nahe Bücher und Kinofilm beieinander liegen. Die Kritik bezieht sich ausschließlich auf den Film.

Auf den ersten Blick lebt die Heldin des Films in einer grausamen Welt. Auf den zweiten Blick fallen die Parallelen auf. In Panem sterben die Menschen im Gladiatorenkampf. In der Realität, etwa im Fernsehkrimi, ist es gespielt. Das Prinzip ist gleich: In beiden Fällen dient das Töten als Unterhaltung. Allerdings ist es menschlicher das Geschehen zu spielen und nicht etwa echte Morde zu filmen. In der realen Welt wie auch im Kinofilm beuten die Starken die Schwachen aus.

In dieser Hinsicht ist es zu begrüßen, dass ein Kinofilm heiße Eisen anpackt. Das Problem ist nur: "Die Tribute von Panem - The Hunger Games" greift auf, ohne zu vertiefen. Zwei Beispiele: Der Präsident gibt unter vier Augen zu, dass er die Underdogs (die Unterdrückten) verachtet und sie betuppt. Er gibt ihnen die Illusion von Hoffnung. Wohl wissend, dass sie keine Chance haben, weil man ihnen keine gewährt. Nach dem Sterben eines farbigen Mädchens kommt es zu sozialen Unruhen - die sogleich niedergeschlagen werden. Da kaum Konsequenzen folgen bleibt es bei Andeutungen von Problematiken, die eine Lauflänge von fast 2,5 Stunden kaum ausfüllen.

Da die Romanvorlagen eine junge Zielgruppe ansprechen, zielt auch die Verfilmung auf ein junges Publikum. Wohl deshalb arbeitet man stark mit Bildern. Die Verkommenheit der oberen Zehntausend wird dargestellt, indem sie schlemmen, während die Minenarbeiter in bitterer Armut leben. Und auch Themen wie Ängste, Freundschaft, das Schmieden von Allianzen, Verrat und Liebe kommen bildhaft vor. So ein filmisches Bilderbuch vereinfacht das Verstehen und stellt sicher, dass die anvisierte, junge Zielgruppe versteht. Leidet jedoch gleichzeitig darunter, dass viele Darstellungen ausdrucksarm bleiben. Auch fehlt es an Erklärungen und Hintergründigem. Was ist die Geschichte von Panem? Was geschah außer einem Krieg? Gab es Aufstände? Rebellionen? Wie funktioniert das Zusammenspiel der Distrikte?

Ich verstehe, dass die Drehbuchautoren Entscheidungen treffen mussten, was im Film vorkommen soll. Da ich die Romanvorlagen nicht gelesen habe, kann ich fehlende Details und Hintergründe nicht hinzufügen. Mir fehlt, was der Film nicht erzählt oder ich nicht herauslesen konnte. Deshalb bin ich mit den Gewichtungen unzufrieden. So führt die Handlung nur kurz und hölzern ins Geschehen ein, während die Spiele in Überlänge stattfinden.

Hinsichtlich der Darstellung von Härte und Brutalität zeigt sich die Gewichtung in einem Spagat. Die Hunger Games präsentieren Jugendliche in widerwärtigen Tötungsszenen und vermeiden gleichzeitig das Fließen von Blut. Durch diesen scheinheiligen Kunstgriff passiert zweierlei. Der Film wirkt steril und bekommt eine relativ niedrige Freigabe. Das Aussparen von Details nutzt jedoch wenig, weil das Kino im Kopf selbsttätig ergänzt. Und so bleibt es bei einem missliebigen Kompromiss: Die menschenverachtende Brutalität und die angestrebte Freigabe passen nicht unter einen Hut.

Bezogen auf die Handlung bedeutet es, die Gewichtung auf wenige Handlungsorte zu legen schonten das Budget (zum Beispiel die vielen Aufnahmen im Wald). Womit die Frage im Raum steht, ob eine kürzere Laufzeit mit mehr Abwechslung eine Alternative wäre? Zudem hätte es dem Film gut getan Größe zu zeigen - doch die Totalen der Hauptstadt etwa wirken wie Trick.

Als gewollt und nicht gekonnt stufe ich auch einen Teil der Kostüme ein. Die Ausstaffierung der Oberklasse mit Anleihen aus dem Rokoko soll wahrscheinlich die Selbstherrlichkeit der Menschen ausdrücken. Anfangs hielt ich sie für Karikaturen ihrer selbst. Als hätte jemand zu einer Bad Taste Party eingeladen. Dann wurde mir klar, der Film meint das ernst.

Neben den genannten Entscheidungen, mussten weitere Filmschaffende Entscheidungen treffen. Heraus kam ein zusammengewürfelter Stil. Beispielsweise soll die wackelige Handkamera anfangs für Nähe sorgen; später werden die Aufnahmen ruhiger. Jetzt wäre es an der Zeit Eigenständigkeit zu entwickeln. Doch als langjähriger Kinogänger muss ich zu oft an ältere Filme denken ("Truman Show", "Running Man", "Die Chroniken von Narnia" und Leni Riefenstahl). Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, wenn Filme schon einmal Dagewesenes zu etwas Neuem zusammenzusetzen. In diesem Fall fehlt mir es im Ergebnis an Selbstständigkeit und Aussage.

Nach der vielen Kritik zu dem Lichtblick des Films. Jennifer Lawrence macht es leicht mit ihrer Figur zu sympathisieren und mitzufiebern. Den albernen Umstand, dass sie selbst nach Tagen in der Wildnis noch aussieht wie aus dem Ei gepellt, laste ich nicht der Schauspielerin sondern der Produktion an. Ebenso die unglaubwürdige Wendung hin zu Peeta. Von einem Augenblick auf den anderen liebt sie ihn (weil es im Drehbuch steht) und vergisst ihren bisherigen Freund. Von den restlichen Figuren des Films fallen mir nur wenige auf: Elizabeth Banks als überkandidelte Mentorin erinnert mich an einen Clown. Stanley Tucci nervt mit seiner Mischung aus Lagerfeld und Honigkuchenpferd. Und Woody Harrelson bleibt mir zu sehr zwischen Mitläufer und Rebell.

Fazit
Nach dem "Herrn der Ringe" und "Harry Potter" versuchten verschiedene Fantasy-Bücher den Sprung auf die Leinwand. Kompass, Tinte und Drachenreiter endeten mehr oder weniger kläglich. Bis heute konnten nur die Vampire und die Pevensie-Geschwister das Publikum überzeugen. Es bleibt also spannend, wie es den Tributen ergehen wird.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Wertung: 40 %

Credits

Original Film-Titel: "

Land: USA 2011

Laufzeit in Minuten ca.: 142

Kinostart / Filmstart: 22.03.2012

Regie: Gary Ross

Drehbuch: Gary Ross, Suzanne Collins, Billy Ray

Schauspieler (Besetzung): Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Elizabeth Banks, Lenny Kravitz, Stanley Tucci, Donald Sutherland, Wes Bentley, Toby Jones, Alexander Ludwig, Isabelle Fuhrman, Amandla Stenberg

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