Kinofilm

Sexy Beast - Kritik

Gal ist ausgestiegen. Wie ein fetter Kapaun treibt er im Pool seiner spanischen Villa. Plötzlich bricht ein Felsbrocken ins Idyll und um Haaresbreite hätte der behäbige Gal sein Leben ausgehaucht. Noch ahnt der Zuschauer nicht die Versinnbildlichung - bald schon wird Don als menschlicher Felsbrocken in Gals Leben brechen - ebenfalls mit der Sensibilität eines Felsbrockens. Doch bis dahin erzählt sich der Film als Komödie um später in einen knallharten Ton umzuschlagen.

Seine Frau Deedee ist nicht vom schwachen, sondern vom starken Geschlecht, ebenso wie Jackie. Beide Frauen haben sich ziemliche Weicheier als Männer angelacht. Zusammen wollen Jackie und Aitch sowie Deedee und Gal ihre Früchte aus der aktiven Zeit genießen. Ein Anruf bringt das süße Leben durcheinander. Don kündigt seinen Besuch an. Gal beginnt sich zu winden, wie eine fette Gans im Bratenfett, denn alle Beteiligten wissen, dass Don keinen Spaß und keine Widerrede duldet. So kommt es wie es kommen muss. Aus Gals schönem Vorruhestand ist die Luft raus, denn Don hat ein Team für einen Einbruch zusammengestellt in dem Gal eine tragende Rolle spielt. Und wenn Don sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann bekommt er was er will - immer.

Filmkritik

Don ist einer der härtesten Männer die das Kino hervorgebracht hat. Gegen ihn wirkt Arnold Schwarzenegger wie ein Waisenknabe, denn Dons Stärke kommt nicht von Muskelmasse sondern aus dem Bewusstsein der Überlegene zu sein. Mit sadistischer Freude beginnt er Gal zu piesacken und legt seine Finger in eine Wunde nach der anderen. Er weiß, wo er Gal, seine Frau Deedee und das Freundespaar Jackie und Aitch packen kann. Mit sadistischer Lust quält er die Vier bis der Geduldsfaden reißt und es zum Knall kommt. Dass Gal trotzdem noch nach England reist und beim Bruch mitmacht gerät fast zur Nebensache, fügt sich aber in die Geschichte ein.
Die Geschichte vom Gangster im Ruhestand wird aus einer neuen Sichtweise erzählt. Ben Kingsley endlich einmal in einer anderen Rolle zu erleben als Mister Perfekt ist ein Genuss. Wer bei Ben Kingsley bislang an "Ghandi" dachte oder "Schindlers Liste" erlebt mehr als nur eine andere Facette eines brillanten Schauspielers. Doch auch die anderen Rollen sind sehr gut besetzt. Gal ist ein eigentlich viel zu weicher Kerl für den harten Job. Sein Freund Aitch, der gealterte Playboy hat mehr Falten im Gesicht als ein Elefantenhintern. Bei Dons Auftauchen werden die Männer zu kleinen Jungs die sich in die Hosen machen wenn Don nur hustet. In ihren Beziehungen haben die Frauen die Hosen an - was die Handlung plastisch beweist.

Was "Sexy Beast" fehlt ist ein austarierter Spannungsbogen. Die Bilder, Rockmusik, die guten Schauspieler und witzigen Ideen ergeben einen annehmbaren Film mit dramaturgischen Schwächen. Dons Auftauchen ist ein Donnerschlag - und mit diesem Donnerschlag hat der Film sein Feuerwerk abgebrannt. Der eigentliche Einbruch bräuchte nicht mehr stattzufinden. Dennoch fliegt Gal nach London und der Film geht weiter obwohl er eigentlich schon zu Ende wäre.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "

Großbritanien 2000

Laufzeit in Minuten ca.: 88

Kinostart / Filmstart: 27.06.2002

Regie: Jonathan Glazer

Drehbuch: Louis Mellis, David Scinto

Schauspieler (Besetzung): Ray Winstone (Gary "Gal" Dove), Ben Kingsley (Don "Malky" Logan), Ian McShane (Teddy Bass), Amanda Redman (Deedee), Cavan Kendall (Aitch), Juliane White (Jackie), Alvaro Monje (Enrique), Robert Atiko (Andy), James Fox (Harry), Darkie Smith (Stan Higgins)

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