Kinofilm

Die Royal Tenenbaums - Kritik

Auge um Auge, Zahn um Zahn möchte man sagen. Oder vielleicht doch besser Kapitel um Kapitel? Wie ein Theaterstück blättert der Erzähler des Films "Die Royal Tenenbaums" stets aufs Neue ein weiteres Kapitel in der Chronik der Familie auf. Der Glanz vergangner Tage ist längst abgeblättert seit der Herr des Hauses aus seinen begabten Kindern verschlossene Neurotiker machte und der Familie verwiesen wurde.

Doch wie auf ein geheimes Zeichen hin stehen sie im Film plötzlich alle wieder auf der Matte. Zunächst Chas, der sich in seinem Haus nicht mehr sicher glaubt, seit seine Frau bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Seine zwei Söhne im Schlepptau, kriecht er wieder ins warme Nest zurück. Tochter Margot holt Mutter Etherline erst aus der Badewanne, in der sie täglich stundenlang vor sich hinweicht und in die Glotze starrt, dann holt sie Margot auch aus ihrer Ehe mit dem vergeistigten Neurologen Raleigh St. Clair heraus. Und auch Sohn Richie kehrt von seinen Touren auf den Weltmeeren zurück. Fehlt nur noch der Vater, dann wären die Tenenbaums wieder komplett.
Wenn man vom Teufel spricht, heißt es. Der Vater, abgebrannt und obdachlos, klopft bald wieder an die Tür. Seine Lüge, er habe Krebs im Endstadium, hilft ihm nur kurzfristig weiter, denn seine Kinder geben ihm die Schuld am eigenen Scheitern und Wiedersehensfreude sowie Mitleid fallen dementsprechend mager aus. Als der Schwindel auffliegt, sitzt er erneut auf der Straße. Doch damit nicht genug. Trotz ungezählter Seitensprünge entflammt sein Herz für Etherline erneut - wohl nicht zuletzt deshalb, weil ein anderer Mann um sie wirbt. Das pochen auf sein älteren Rechte hilft ihm im Kinofilm wenig. Geschieden sind die Tenenbaums nicht, doch so einfach kann man nicht wieder gutmachen was man in langen Jahren verbockt hat. In guter alter Haudegen-Manier stellt Royal noch einmal das eigene Leben und das Leben seiner Familie auf den Kopf - bis zum Quasi-Happy-End.

Filmkritik

"Die Royal Tenenbaums" punktet mit guter Situationskomik und skurrilen Ideen. Die Dalmatiner-Mäuse zum Beispiel sind wirklich köstlich. Und wenn der werbende Steuerberater im Krankenhaus darum bittet die Formulare für Etherline lesen zu dürfen, dann ist das anrührend und komisch zugleich. In meist gleichförmigen Bildern wird ein Film-Kapitel nach dem anderen aufgeblättert und gnadenlos eine Schicht nach der anderen freigelegt. Dabei wird nie auf Schenkelklopfer gesetzt, sondern vielmehr auf die leisen, komischen Töne. Die Dramaturgie entschließt sich nie eine Person letztendlich in den Mittelpunkt zu stellen. Wie bei einem Staffellauf steht immer wieder jemand anders im Vordergrund. Das ist dramaturgisch sicherlich gewollt, sorgt aber dann und wann für Längen. Auf die Film-Szenen in denen Chas seine Jungs zu Rettungsübungen zwingt hätte man verzichten können. Auch zünden nicht alle Running Gags (Trainingsanzüge). Zeitweilig wirken die Figuren in ihrem Leben verloren, was durchaus auf den Zuschauer abfärbt.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "The Royal Tenenbaums"

USA 2001

Laufzeit in Minuten ca. 109

Kinostart / Filmstart: 14.03.2002

Regie: Wes Anderson

Drehbuch: Wes Anderson, Owen C. Wilson

Schauspieler (Besetzung): Gene Hackman (Royal Tenenbaum), Anjelica Huston (Etheline Tenenbaum), Ben Stiller (Chas Tenenbaum), Gwyneth Paltrow (Margot Tenenbaum), Luke Wilson (Richie Tenenbaum), Owen Wilson (Eli Cash), Bill Murray (Raleigh St. Clair), Danny Glover (Henry Sherman), Seymour Cassel (Dusty), Kumar Pallana (Pagoda)

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