Kinofilm

The Social Network - Kritik

Für manche Phänomene bedarf es einer Erklärung. Ob dies auch auf die Entstehung des Internetangebots Facebook zutrifft darf bezweifelt werden. Was interessiert die Öffentlichkeit mehr? Das Angebot, die Skandale oder der Macher?

Der Begriff "Facebook" bedarf spätestens seit dem Erfolg des gleichnamigen Webangebotes keiner Erklärung mehr. Sein kometenhafter Aufstieg brachte es wiederholt in die Schlagzeilen - ebenso auch der teils sehr eigenwillige Umgang mit der Privatsphäre. Mit dem Boom der sozialen Netzwerke geht die Frage einher, wie viel Privates der Mensch im Internet eigentlich von sich preisgeben möchte? Während insbesondere junge Menschen ungezwungen aus ihren Leben berichten, sehen ältere Semester die Lage skeptisch. Der Kinofilm "The Social Network" geht auf diese Fragen nicht ein und deshalb soll diese Kritik kein Anstoß zur Diskussion um Datenschutz werden. Mich würde allerdings interessieren, was Zuckerberg selber über den Film sagt, denn der handelt ja nach Zuckerbergs Überzeugung und nimmt wenig Rücksicht auf Privates.

Die Handlung zeichnet die Entstehung von "Facebook" nach. Mark Zuckerberg studiert an der University of Harvard. Seine aktuelle Freundin, hat in der Eröffnungsszene mit ihm gebrochen und ihm bescheinigt ein Arschloch zu sein. Mark ist gekränkt, bloggt im Internet über das Thema und stellt eine Webseite ins Netz, die man als Rache am weiblichen Geschlecht verstehen könnte. Bald darauf wird er von zwei Kommilitonen gebeten, eine Seite für ein soziales Netzwerk zu programmieren. Mark findet die Idee gut, aber nicht das angedachte Konzept. Er beginnt sich Gedanken um über bessere Funktionalitäten zu machen, programmiert sein eigenes Angebot und "The Facebook" ist geboren.
Der Erfolg überrascht selbst den Programmierer Zuckerberg und seinen einzigen Freund Eduardo Saverin, der das Startkapital beisteuert. Die ersten Erfolge lassen nicht lange auf sich warten - die ersten Unstimmigkeiten unter den Firmengründern ebenfalls nicht. Im Lauf der nächsten Jahre gehen die Meinungen immer stärker auseinander. Während Severin die Internetseite schnellstmöglich vermarkten will und Geld verdienen, möchte Zuckerberg mehr Zeit für Optimierungen. Mit den ersten großen finanziellen Erfolgen zerbricht die Freundschaft und es folgen Klagen und Prozesse.

Filmkritik "The Social Network"

Der Kinofilm fußt auf Fragen nach dem Muster "Ist er oder ist er nicht?" Beispielsweise: Ist Mark Zuckerberg ein Arschloch oder hat er nur soziale Defizite. Das zweite Thema lautet: "Hat er oder hat er nicht?". Etwa: Hat Zuckerberg die Idee zu "Facebook" geklaut oder nicht?" Dazu wird die Programmierung der Webseite angerissen und Mark Zuckerberg charakterisiert. Die Drehbuchautoren stellen ihn als Sonderling dar, der nicht aus böser Absicht handelt, sondern Defizite aufweist. Er weiß nicht, wie man sich in Gesellschaft benimmt. Kann weder Freundinnen noch Freunde halten. Das bietet zwar Konfliktstoffe, doch der Film bleibt an der Oberfläche und lotet weniger die Persönlichkeiten aus als Formales zu erzählen.
Dazu passt, dass die Rollen stereotyp angelegt sind. Jesse Eisenberg in der Rolle des Mark Zuckerberg trägt den immergleichen Gesichtsausdruck zur Schau. Egal ob er programmiert oder von einem Fettnäpfchen ins nächste Fettnäpfchen tritt. Sein Freund und Geschäftspartner Eduardo Saverin ist der Nette, aber etwas Naive, der sich ausbooten lässt. Dann gibt es noch die Gegenspieler, die der Film als zwei reiche Kotzbrocken auftreten lässt - mit denen der Zuschauer mitfühlen kann, wenn er meint, dass sie von Zuckerberg betrogen wurden. Abgesehen von einigen interessanten Szenen, etwa der Eröffnung, die den Zuschauer mitten in die Handlung fallen lässt, bleiben die handwerklichen Aspekte auf durchschnittlichem Niveau.

Denke ich an die Cheopspyramiden, denn versetzen sie mich unter anderem deshalb in Staunen, weil ihre Erbauung unvorstellbar erscheint. Bei "Facebook", stelle ich mir die Frage, wen interessiert es, wie die Seite entstand? Dem Film gelingt es nicht mein Interesse zu wecken. Wie eine Internetseite programmiert wird, weiß ich in groben Zügen - mehr interessiert mich nicht. Das aufgezeigte Privatleben der Figuren kommt über einen belanglosen Status nicht hinaus. Und auch der langwierige Rechtsstreit packt mich nicht. Ohne zu lügen kann ich sagen, mich hat die Person Mark Zuckerberg vor dem Film nicht interessiert und sie interessiert mich immer noch nicht. Vielleicht bin ich auch der falsche Kritiker für diesen Film, denn mein Interesse am Internet ist begrenzt. Ich habe zwar selber schon für verschiedene Auftritte gearbeitet, doch meine Freundschaften pflege ich in der realen Welt - ausschließlich.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Wertung: 40 %

Credits

Original Film-Titel: "

Land: USA 2010

Laufzeit in Minuten ca.: 120

Kinostart / Filmstart: 07.10.2010

Regie: David Fincher

Drehbuch: Aaron Sorkin

Schauspieler (Besetzung): Jesse Eisenberg, Rooney Mara, Andrew Garfield

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