Kinofilm

No Man's Land - Kritik

In einem Schützengraben zwischen den Fronten des Bosnien-Kriegs 1993, im "No Man's Land", treffen zwei Soldaten aufeinander. Ein Bosnier und ein Serbe. Argwöhnisch beäugen sich die Feinde und nutzen jede sich bietende Gelegenheit den anderen zu traktieren und zu erniedrigen. Wenn sich endlich die Gelegenheit böte, würden sie einander töten, doch aus unterschiedlichen Gründen brauchen sie einander. Und wenn es nur darin begründet liegt, damit die Gegenseite nicht schießt.

Statt im Schützengraben Freundschaft zu schließen und gemeinsam die eigenen Leben und das Leben des verletzten Kameraden zu retten, der auf einer Mine liegt und sich nicht bewegen darf, stattdessen spielen sie im "No Man's Land" Katz und Maus miteinander. Wer das Gewehr hat, hat die Macht, der kommandiert den anderen herum und zwingt ihn zuzugeben, dass sein Volk den Krieg begonnen hat. Die Fronten sind verhärtet und ihr verbohrter Hass wird zwei von ihnen das Leben kosten. Der Dritte stirbt, weil man ihn nur unter größter Kraftanstrengung retten könnte, aber wen interessiert schon die Rettung eines namenlosen Soldaten?

Filmkritik

Der Kinofilm "No Man's Land" ist eine bittere Pille. Mit bösen Witz erzählt er einen Tag aus dem Leben von drei Männern, die das Schicksal zusammenführte und die ihr blinder Hass das Leben kostet. Regisseur Danis Tanovic bezieht keine Stellung für Bosnier oder Serben. Der Film ist fein austariert und es gibt keinen Guten und keinen Bösen, denn das Anliegen des Films ist nicht die Klärung der Schuldfrage, sondern Krieg als Wahnwitz zu entlarven.
Der Film baut sich wie ein surreales Theaterstück auf. Er konzentriert sich fast ausschließlich auf einen Handlungsort: den Schützengraben, über dem die gesamte Zeit die Sonne strahlt. Es fließt fast kein Blut, obwohl beide Hauptdarsteller schwer verwundet sind. Der eigentliche Kampf tobt anonym im Hintergrund und macht nur durch versprengte Schüsse auf sich aufmerksam. Das Grauen spielt sich in den Köpfen ab; in den Köpfen der zwei Kampfhähne und in den Köpfen der Zuschauer. Die Entlarvung macht nicht bei den Soldaten Halt, auch die Presse und die Blauhelme werden aufs bitterste karikiert. Drei Männer leben noch im Schützengraben. Einer liegt auf einer Tretmine - als Falle gedacht. Die Mine explodiert, wenn der Druck nachlässt, also in dem Moment, in dem die Gegner ihre Toten einsammeln. Aber der Todgeglaubte lebt noch und erwacht auf einer Mine liegend. Jetzt darf er sich nicht bewegen, denn jede Bewegung könnte die Mine zur Explosion bringen. Um die drei Männer zu retten rücken Blauhelm-Soldaten an - gegen den Befehl ihres Kommandierenden. Sie werden zurückgepfiffen und dürfen erst wieder ausrücken, nachdem sich eine engagierte Kriegsberichterstatterin einmischt.

Weil die Presse Wind von der Sache bekam, rücken die Blauhelme mit Verstärkung erneut aus; mittlerweile sind die Journalisten zahlreich geworden und das Geschehen am Schützengraben gerät zum Spektakel. Die ganze Welt fiebert live mit. Der deutsche Minen-Spezialist stellt fest, er kann den Mann nicht alleine retten. Das lässt den Chef der Blauhelme kalt. Eine List wird die Gier der Presse befriedigen: Auf eine Trage wird das Werkzeug des Experten gelegt und mit einem Tuch abgedeckt. Die Presse filmt die heroische Rettung des dritten Mannes, während die zwei geretteten Soldaten bei einem verspäteten Racheakt sterben. Genügend Futter für eine packende Story! Für 22:00 Uhr wird eine Pressekonferenz anberaumt und fast alle sind zufrieden gestellt. Nur der engagierte Blauhelm ist frustriert, weiß er doch, dass der Mann im Schützengraben weiterhin auf der Mine liegt und auf seinen Tod wartet. Doch sein Vorgesetzter macht ihm klar, dass es wichtiger ist, was die Presse und somit der Rest der Menschheit glauben als die Rettung eines einzelnen namenlosen Soldaten. Auch die engagierte Kriegsberichterstatterin hat ihre Maske fallen gelassen und offen gezeigt, dass es ihr nicht um die Menschen geht sondern rein um die Sensation ... In einem Krieg gibt es keine Gewinner, was der Film eindrucksvoll beweist.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "

Frankreich / Belgien / Großbritannien / Slowenien 2001

Laufzeit in Minuten ca.: 98

Kinostart / Filmstart: 20.02.2003

Regie: Danis Tanovic

Drehbuch: Danis Tanovic

Schauspieler (Besetzung): Branko Djuric (Ciki), Rene Bitorajac (Nino), Filip Sovagovic(Cera), Katrin Cartlidge (Jane Livingstone), Simon Callow (Soft), Georges Siatidis (Marchand), Alain Eloy (Pierre), Sacha Kremer (Michel), Henry Valcke (Dubios Serge)

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