Kinofilm

Natürlich blond - Vor dem Gesetz sind alle blond!

Legally Blonde

Angespornt durch eine positive Kritik ging ich guten Mutes in den Film. Die ersten 15 Minuten seien schlecht, danach solle der Film eine Wendung nehmen und zum guten Feelgood-Movie werden. Vielleicht stimmt mein Zeitgefühl ebenso wenig wie mein Humor? Es wurden die längsten 15 Minuten des Jahres!

Für die gefärbte Blondine Elle Woods ist blond eine Lebenseinstellung bei der es nichts wichtigeres gibt als Mode, Maniküre, Frisuren und Männer. Unsterblich ist sie in Warner verliebt, der eine Karriere als Senator anstrebt und Elle den Laufpaß gibt, weil er als Senator eine Jackie heiraten muss und keine Marilyn gebrauchen kann. Tief gekränkt beschließt Elle es Warner und der Welt zu zeigen. Sie bewirbt sich im Film mit einem sehr freizügigen Video in Havard als Jurastudentin und bekommt den Studienplatz. Doch die typischen Jurastudenten mögen die "Malibu-Barbie" in ihren rosa Kostümchen nicht - bis Elle es einfach allen beweist.
Angestachelt durch fiese Dozenten und gemeine Kommilitonen, bewirbt sich Elle um einen Praktikumsplatz in der Kanzlei des Dozenten und Strafverteidigers Callahan. Der gaukelt ihr vor an ihrem scharfen Verstand interessiert zu sein, ist aber im Film nur scharf auf ihre scharfen Kurven. Doch bis Elle das herausfindet, beweist sie Intuition. Ausgerechnet ihre ehemalige Fitneßtrainerin Brooke Taylor-Windmark soll ihren Mann erschossen haben. Böse Falle: Der Mann war 34 Jahre älter und Brooke soll es der Pool-Boy angetan haben. Elle weiß sofort, dass die Frau unschuldig ist, weil beim Sport Glückshormone ausgeschüttet werden, die einen Mord überflüssig machen.
Mit frischer Energie geht Elle ans Werk und gewinnt das Vertrauen von Brooke, die in Elle eine Verbündete sieht (ach, was sind wir beide doch blond!). Sie entlockt der Klientin sogar das Alibi, das sie sonst niemandem verrät. Die Fitness-Trainerin Brooke Taylor-Windmark war am Tag des Mordes in einer Klinik und hat sich Fett absaugen lassen, weil ihr eigenes Fitnessprogramm weniger taugt als sie behauptet. (Skandal!) Doch lieber verbringt sie den Rest des Lebens hinter Gittern, als der Welt dieses Geheimnis preiszugeben. Da Elle im Film ebenso denkt, hütet sie dieses Geheimnis natürlich besonders gut. Das bringt ihr beim fiesen Strafverteidiger Callahan und Vivian, der Verlobten ihres Ex-Freundes gleichviel Sympathien ein.
Mitten im Prozess (vor Gericht) erweist sich als Callahan als echter Fiesling der Elle gerne mal privat ins Kreuzverhör nehmen würde (Sauerei!). Elle ist bereit den ganzen Mist hinzuschmeißen und nach Kalifornien zurückzukehren. Selbst Callahns Juniorpartner Emmett (die Milchschnitte) kann wenig an Elles Entscheidung ändern. Auch Elles einzig wahre Freundin Paulette (doof aber loyal), eine fette Blondine aus dem Schönheitssalon, kann Elle nicht halten. Das schafft nur die fiese Dozentin Stromwell (film-lesbisch). Stromwell erweist sich im richtigen Film-Moment als richtig dolle Männerhasserin und bringt Elle natürlich wieder auf Kurs.
Flugs entdeckt Elle, dass der Poolboy, der angeblich eine Affäre mit Brooke hatte, schwul ist, denn nur schwule Männer erkennen Modeschuhe - heterosexuelle Männer nicht. (scharfe Blondine, scharfe Intuition!). Flugs wird der Poolboy als geschmacksverirrter, schwuler Latino geoutet (er trug einen Tanga - buäh!). Nun muss Elle natürlich nur noch der echten Mörderin das Handwerk legen. Damit das leichter von statten geht, wird der fiese Strafverteidiger und Dozent Callahan als Anwalt gefeuert und Elle engagiert. Emmet (die Milchschnitte), der langweilige Juniorpartner Callahans springt ein. Elle findet heraus, das das Alibi der Tochter des Toten wackelt. Sie will mit einer frischen Dauerwelle geduscht haben. Dabei zerstört Haarewaschen eine frische Dauerwelle, weiß Elle! Die Tochter gibt zu, sie wollte eigentlich die junge Frau des Vaters erschießen, weil die so alt ist wie sie selbst. Leider traf die Kugel versehentlich den Vater. Elle hat den Fall gelöst und ist der gefeierte Star in Havard. Was idiotisch klingt, ist tatsächlich der Höhepunkt des Filmes.
Zwei Jahre später hat Elle ihr Studium mit Diplom beendet und bedankt sich bei der einst fiesen Dozentin Stromwell (film-lesbisch) mit einer schleimigen Rede. Wirklich toll: Alle, die Elle einst nicht leiden mochten (wie gemein!) sind jetzt natürlich ihre Freunde. Die böse Lesbe aus der Frauenbewegung, der asexuelle fette Kommilitone (Mit-Student), ihre ehemalige Konkurrentin Vivian (benutzt zu wenig Wimperntusche und ihren Haaren fehlt seit einer Woche eine Kur), diese Frau, mit der sich ihr Ex-Freund Warner verlobte, ja diese Frau ist jetzt auch auf Elles Seite. Die gute Paulette (fett, doof und loyal) hat dank Elle den feschen UPS-Mann geangelt und Emmett (die Milchschnitte) ist seit zwei Jahren Elles Freund. Nun wird er ihr einen Heiratsantrag machen - noch heute abend (blond sei dank!). Elles Ex-Freund Warner trifft es natürlich ganz dicke - er ist eben der Doofe - der kriegt die Blondine nicht, schließt nicht mit Auszeichnung ab und bekommt kein Jobangebot. Das ist die ausgleichende Gerechtigkeit in der Welt von Blondinen, die mit Wimperntusche zusammengehalten wird und nicht mehr Tiefgang hat als ein Nagellack-Fläschchen.

Kritik: Vom Drehbuch her kommt der Kino-Film über das Niveau einer durchschnittlichen amerikanischen Soap nicht hinaus. Schöne, dynamische Menschen studieren in einer heilen Welt. Ihre Probleme gehen natürlich über die Wahl des richtigen Make Ups nicht hinaus. Elles Angebeteter Warner (der Böse) ist einen Kopf größer als sie und ihre Rivalin Vivian (anfangs böse, dann lieb) ist dunkelhaarig, Elles kleiner Zitterköter knurrt immer im richtigen Moment ... Das ist so witzig und originell wie die Texte auf Zuckerwürfel-Verpackungen im Cafe.
Statt die Klischees durch Übertreibung zu entlarven badet die Handlung geradezu darin und versucht sich an der Theorie: "Nicht die Blondine ist doof, sondern die Welt in der sie lebt!" Protagonistin Elle Woods gibt sich alle Mühe als doofe Blondine anerkannt zu werden. Das schafft sie natürlich auch, gerade weil sie ihren eingeschlagenen Kurs eisern hält und beweist, es reicht natürlich aus über Dauerwellen und Mode Bescheid zu wissen um Mörder hinter Gitter zu bringen und langweilige Juniorpartner zu erobern. Denn das scheint die Krönung des Lebens der Blondine zu sein: Einen nichtssagenden Mann zu finden der ebenso dümmlich ist wie sie selbst. Frei nach dem Motto: "Männer können sowieso besser gucken als denken!" Warum der Kino-Film "Natürlich blond - Vor dem Gesetz sind alle blond!" in den USA zum Kassenschlager wurde kann ich mir nur dadurch erklären, dass die Bevölkerung nach dem Anschlag auf das WTC nach einfacher Heile-Welt-Unterhaltung hungerte.
Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "Legally Blonde"

USA 2001

Laufzeit ca. 96 Min.

Kinostart / Filmstart: 15.11.2001

Regie: Robert Luketic

Drehbuch: Karen McCullah Lutz, Kirsten Smith

Schauspieler (Besetzung): Reese Witherspoon (Elle Woods), Luke Wilson (Emmett Richmond), Selma Blair (Vivian Kensington), Matthew Davis (Warner), Victor Garber (Professor Callahan), Jennifer Coolidge (Paulette), Holland Taylor (Professor Stromwell), Ali Larter (Brooke Taylor Windham), Jessica Cauffiel (Margot), Alanna Ubach (Serena), Oz Perkins (Dorky David), Linda Cardellini (Chutney), Bruce Thomas (UPS Guy)

 DVD bestellen bei Amazon.de



Seiten (0):

Name Gast-Kommentar
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben!

 
Gast-Kommentar schreiben
Name:
eMail*:
Überschrift:
Text:

» Smilies
Visuelle Bestätigung: =>
*nur intern - wird nicht veröffentlicht

Anzeige
Einkaufen bei Amazon.de

Copyright Texte, Bilder, Clipart: 2001 - 2015 Filmhai.de oder Lizenzgeber, falls angegeben
Impressum Datenschutz