Kinofilm

Memento - Kritik

Es ist schon erstaunlich, was so ein kleiner Trick ausmacht, den man zudem als Zuschauer schon nach höchstens fünf Minuten durchschaut hat: Ein Foto verblasst in der Hand des Mannes, bis es am Ende der ersten Szene schwarz ist wie seine Erinnerung. Ein Film wird rückwärts erzählt, Szene für Szene, nur in schwarzweißen Zwischenszenen wird chronologisch verfahren, und man fühlt sich gezwungen entweder das Kino zu verlassen, oder sich wirklich anzustrengen.

Entspannung findet man in diesem Streifen nicht. Fast zwei Stunden lang muss man mitarbeiten, ist man niemals schlauer als der Held Leonard selbst. Leonard ist auf der Suche nach dem Mörder seiner Frau. Der Mord ist das Letzte, an das er sich noch erinnern kann - sein Kurzzeit-Gedächtnis funktioniert nicht mehr.
Zwei Personen scheinen ihm helfen zu wollen: Natalie (sexy as ever: Carrie-Anne Moss) und Teddy. Aber weder Leonard noch der Zuschauer weiß, wieweit man den beiden trauen kann. Hat Leonard seine Frau vielleicht selbst umgebracht? Die Story selbst ist banal. Interessant wird sie durch die ungewöhnliche Erzählweise und nur durch sie. Die Idee, das Ganze von hinten aufzurollen, ist das einzige, was man an diesem Film hervorragend und neu nennen kann. Aber, und das ist das einzige was zählt, es ist hervorragend. Simpel und doch fesselnd. Zum Beispiel: Natalie kommt zur Tür herein, ist Gesicht ist grün und blau und ihre Lippe blutet. Was ist passiert? fragt Leonard. Fragt sich der Zuschauer. Natalie erzählt ihre Version der Geschichte. Sie führt zu einer Reaktion Leonards, die wir schon kennen. Aber sagt Natalie die Wahrheit? Wir werden es erst in der nächsten (vorherigen) Szene wissen.

"Memento" ist eine Parabel über die Erinnerung, die wir erfinden, um unser Leben zusammenzusetzen. Man kann der Erinnerung nicht trauen, sagt Leonard. Die Erinnerung trügt. Die Notizen auf Zetteln und auf seinem Körper sind das einzige, dem er Glauben schenkt. Letztendlich sind aber auch sie Entwürfe einer subjektiven Wahrheit. Einziger Kritikpunkt an einem rundum spannenden Kinoabend: Dem Zuschauer wird zu wenig zugetraut. Jeweils am Ende einer Szene sieht man noch einmal den Anfang der nächsten, die Überschneidung wird also jeweils doppelt gezeigt, wie um klar zu machen: Kommst du mit? Oder bist du schon ausgestiegen? Das hätte man sich sparen können, das nervt auf die Dauer tatsächlich. Ansonsten: Daumen hoch für einen der Kinohöhepunkte dieses mit solchen Höhepunkten nicht gerade gesegneten Jahres.
Filmkritik: Tina Manske

Filmkritik von Thomas
Für mich ist "Memento" der missglückte Versuch einen Film rückwärts zu erzählen. Die ersten Szenen des Filmes laufen tatsächlich rückwärts ab: ein Polaroid entwickelt sich zurück, ein Mann wird nessohcsre (erschossen), die Kugel wandert in die Pistole zurück und die Patronenhülse springt vom Boden wieder auf. So stelle ich mir einen Film vor der rückwärts erzählt werden soll. In Bezug auf "Memento" war es dann schon mit rückwärts, denn jetzt eine versetzte Erzähltechnik ein um vorzugaukeln der Film liefe rückwärts. Man hat die Handlung des Filmes in viele kleine Akte gesplittet wie ein Theaterstück. Als erstes wird die erste Szene des letzten Aktes erzählt (chronologisch), Schnitt, der letzte Akt beginnt von vorne bis sich die Schlussszene wiederholt. Danach folgt die Schlussszene des vorletzten Aktes, Schnitt, der vorletzte Akt wird chronologisch erzählt bis sich die Schlussszene des vorletzten Aktes wiederholt. So folgen alle Akte nach demselben Muster. Zuerst die Schlussszene, Schnitt, der Akt wird chronologisch gespielt. Durch diese ständigen Wiederholungen der Schlussszenen reißt der Spannungsboden nach jedem Akt ab und wird im nächsten Akt wieder aufgebaut. Das ist für den Zuschauer eine ziemliche Tortour.
Der Film steht und fällt mit der Idee, die Handlung rückwärts zu erzählen. Das ist riskant, denn wenn dem Zuschauer die Idee nicht gefällt, hat der Streifen nichts weiter zu bieten, weil der erzählte Plot, gelinde gesagt, sehr banal ist und man schon nach wenigen Szenen ahnt worauf es hinausläuft. Ein Mann verliert sein Kurzzeitgedächtnis und lebt danach in einer selbst organisierten Scheinwelt. Das einzige Ziel seines Lebens: den Tod seiner Frau zu rächen. Dabei wird von einem korrupten Polizisten und der Freundin eines Drogendealers ausgenutzt. Tina sagte mir nach der Vorstellung ich hätte laut im Kino gestöhnt. Eigentlich kein Wunder auf Grund des schlechten Filmes. Peinlich war es mir trotzdem.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "

USA 2000

Laufzeit ca. 113 Minuten

Kinostart / Filmstart: 24.07.2001

Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: Christopher Nolan

Schauspieler (Besetzung): Guy Pearce (Leonard), Carrie-Anne Moss (Natalie), Joe Pantoliano (Teddy)

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