Kinofilm

Machtlos - Kritik

Rendition

In einem nicht näher benannten nordafrikanischen Land stirbt ein amerikanischer Mitarbeiter der CIA bei einem Selbstmordanschlag. Obwohl das Attentat weder den USA noch der CIA galt, sondern dem Leiter des örtlichen Gefängnisses Abasi Fawal (Yigal Naor), nimmt es in den USA jemand persönlich.

Die Leiterin der CIA-Anti-Terror-Einheit Corrin Whitman (Merryl Streep) sieht die Ehre der USA verletzt und selbstredend sogleich die Sicherheit des Landes bedroht. Als dann ein Verdächtiger ins Visier der Ermittler gerät, gibt sie den Befehl ihn außer Landes zu schaffen. Dort wird Anwar El-Ibrahimi (Omar Metwally) in das Gefängnis von Abasi Fawal gebracht, um dort gefoltert zu werden. Da die USA nicht foltern, wie Corrin Whitman betont, stellen sie einen Beobachter, der bei den Verhören anwesend ist und nach den USA berichtet. Parallel dazu beginnt die Ehefrau des Verdächtigen in den USA mit der Suche nach ihrem Mann. Isabella El-Ibrahimi (Reese Witherspoon) ist zwar hochschwanger, aber sie lässt sich nicht leicht abwimmeln. So gelingt es ihr, bis zu Corrin Whitman vorzudringen, doch die Politikerin ist eiskalt und abgebrüht und lügt Isabella ins Gesicht. Derweil gehen in Nordafrika die Folterungen weiter - bis der CIA-Mann Freeman (Jake Gyllenhaal) einknickt und den offensichtlich unschuldigen El-Ibrahimi freilässt und persönlich für seine Rückkehr nach den USA sorgt. Parallel zu diesen Handlungssträngen schließt sich ein weiterer Kreis. Fatima, die Tochter des Gefängnisdirektors reißt von zuhause aus, weil sie zwangsverheiratet werden soll. Sie hat sich einen Jungen verliebt, nicht ahnend, dass der den Tod seines Bruders rächen will. Und das Selbstmordattentat gilt niemand anderem als Fatimas Vater Abasi Fawal.

Filmkritik

Der Kinofilm "Machtlos" klingt zunächst wie eine gekonnte Abrechnung. Anstelle von Politgeplänkel sollen die menschlichen Schicksale klar im Vordergrund stehen, laut Aussage des Drehbuchautors. Doch sein Versuch, heiße Eisen anzufassen, ohne konkrete Aussagen zu treffen, misslang. Die Figuren kommen nicht über den Status von lebenden Klischees hinaus - was auch der schwachen Regie von Gavin Hood anzukreiden ist, der seine Darsteller schlecht lenkte. Die Handlung berührt nicht und mit keiner Figur kann sich der Zuschauer identifizieren, denn statt ihnen Menschlichkeit zu verleihen, versuchten Drehbuch und Regie sie zu erhöhen. Isabella ist nicht nur eine Frau, die verzweifelt ihren Mann sucht, sondern sie ist hochschwanger und zuhause wartet der erste Sohn auf Antworten und die Rückkehr des Vaters. Der Gefängnisdirektor ist nicht nur ein Folterknecht, sondern er muss mit dem Wissen leben, dass seine eigene Tochter bei dem Versuch ums Leben kam, ein Selbstmordattentat zu verhindern - das ihm galt. Der Freund der Tochter wiederum ist kein gesichtsloser junger Mann, sondern eine verletzte Künstlerseele, die ihren geliebten Bruder verlor und in die Hände von skrupellosen Einpeitschern geriet, die sich bei den eigentlichen Attentaten feige im Hintergrund halten, während die anderen die Drecksarbeit verrichten.
Auch die gesprochenen Worte fügen nichts Neues hinzu. Phrasen werden mit Phrasen gekontert. Stellenweise wirkt der Film geradezu hilflos. Beispielsweise in der Szene, in der bei Isabella die Wehen einsetzen - während sie vor einem großen Fenster steht, durch das der Zuschauer aufs weiße Haus blickt. Anders gesprochen trifft die wehrlose Frau, die alles Elend dieser Welt verkörpert, auf das Wahrzeichen von Macht und Machtmissbrauch. Müde wirkt der Kunstgriff, der gegen Ende des Films offenlegt, dass die Handlung doch nicht parallel ablief, wie es zunächst den Anschein hat, sondern chronologisch. Ein Handlungsstrang erzählt die Vorgeschichte des Attentats, der Rest die weiteren Geschehnisse. Durch diesen Kunstgriff kann zwar das Attentat zweimal gezeigt werden, doch intensiver wird der Film dadurch nicht.

Fazit
Ich kann natürlich nur für mich sprechen. Mir ganz persönlich hat der Film nicht viel gegeben. Die meiste Zeit der immerhin zwei Stunden habe ich mich gelangweilt. Es gingen mir dabei verschiedene Fragen durch den Kopf. Wieso wurden die eigentlich guten Darsteller so schlecht geführt? Weshalb fällt es einem Regisseur nicht auf, dass fast alle seine Darsteller in emotionalen Szenen nur schreien und dadurch die Spannung augenblicklich auf den Nullpunkt sinkt? Weshalb bringt ein Verleih einen Film ins Kino, der keine Antworten gibt und nichts vertieft? Vielleicht sind aber auch diese Fragen schon zu viel Aufmerksamkeit für einen schwachen Film? Wahrscheinlich sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass Hollywood eine Industrie ist, die am laufenden Band Unterhaltung produziert. Und da kann und muss nicht jeder Film ein Treffer sein.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "Rendition"

Land: USA 2007

Laufzeit ca.: 120 Minuten

Kinostart / Filmstart: 22.11.2007

DVD-Start: 28.03.2008

Regie: Gavin Hood

Drehbuch: Kelley Sane

Schauspieler (Besetzung): Jake Gyllenhaal, Reese Witherspoon, Alan Arkin, Peter Sarsgaard, Meryl Streep, Omar Metwally, Igal Naor, Moa Khouas, Zineb Oukach

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