Kinofilm

Fall 39 - Kritik

Case 39

Viele Eltern kennen den Gedanken: Am liebsten würde ich mein Kind erwürgen. So weit wie die Sullivans gehen dann die wenigsten. Die versuchen ihre Tochter zu ermorden. Das können die engagierte Sozialarbeiterin Emily Jenkins und der Polizist Mike Barron im letzten Moment noch verhindern. Doch was sind die Beweggründe der Eltern? Ist etwas Wahres dran, wenn sie behaupten, in dem Körper des zehnjährigen Mädchens steckt das uralte Böse? Mehr dazu in der Filmkritik.

Im Kinofilm "Fall 39" hat Emily Jenkins (Renée Zellweger) während ihrer beruflichen Laufbahn als Sozialarbeiterin schon einiges zu sehen bekommen. Normalerweise ist sie nicht leicht zu erschüttern. Doch als ihr der Fall der zehnjährigen Lillith (Jodelle Ferland) übertragen wird, ist sie vom ersten Moment an parteiisch. Wenn ein Kind wie ein Engel aussieht, dann muss es unschuldig sein. Diese Vorstellung untermauert der erste Besuch bei der Familie. Lilliths Mutter sieht aus wie eine wandelnde Leiche, der Vater lässt sich zunächst verleugnen, nimmt dann widerwillig am Gespräch teil und flüstert nur mit seiner Frau, die das Gesagte an Emily weitergibt. Das Haus der Familie ist dreckig und runtergekommen. Alles scheint für das Kind und gegen die Eltern zu sprechen. Der Konflikt gipfelt in einem nächtlichen Hilferuf des Mädchens. Emily und der befreundete Polizist Mike Barron (Ian McShane) werden Zeuge, wie die Eltern versuchen das wehrlose Mädchen im Backofen zu verbrennen! Es kommt zum Kampf ... Emily nimmt die verängstigte Lillith vorübergehend bei sich auf und fühlt sich als Siegerin..

Anfangs scheint Lillith wirklich ein kleiner Engel zu sein. Aber dann bringt ein Junge aus der Therapiegruppe, die Lillith besucht, seine Eltern auf bestialische Weise um. Polizist Mike behauptet, es habe einen Anruf aus Emilys Haus gegeben. Doch das Mädchen bestreitet das Telefonat und der Junge gibt an, am Telefon eine Männerstimme gehört zu haben. Wem glauben? Allmählich dämmert auch Emily, dass hier irgendetwas im Busch ist. Ihre Zweifel wachsen beim Besuch von Lilliths ehemaligem Elternhaus. Wieso war die Tür des Elternschlafzimmers mit mehreren Riegeln gesichert? Dann ereignen sich weitere Todesfälle und immer kann Lillith mit ihnen in Verbindung gebracht werden.

Filmkritik Fall 39

Der Kinofilm "Fall 39" bringt ein weiteres Teufelskind auf die Leinwand und erinnert damit an "Das Omen". Wieder versteckt sich das Böse hinter einem unschuldigen Gesicht. Das ist von Jodelle Ferland gut gespielt. Sie kann wie ein Engel schauen - aber auch an den Nerven sägen. Die Zusammenarbeit zwischen ihr und Renée Zellweger funktioniert gut. Allerdings hat Zellweger mit ihrer Rollenwahl als überengagierte Sozialarbeiterin keine glückliche Wahl getroffen. Das Drehbuch bietet ihr wenig Entfaltungsspielraum und der Regisseur stilisierte die Rolle der Sozialarbeiterin zu stark. Emily Jenkins, wie auch die Kollegen, sind zu eindeutig die Gut-Menschen. Den Gegensatz zu ihnen bilden die Eltern des Mädchens, die nicht nur mit den Nerven am Ende sind, sondern auch vollkommen heruntergekommen.

Die plastische Stilisierung des Films springt ins Auge und ist gewollt. Die Umgebung und Zellwegers Kleidung etwa sind auffällig spießig. Das Böse zieht nicht in kleinen Schritten herauf, sondern es kommt mit Pauken und Trompeten und steigert sich bis zu einem eigenwilligen Finale. Damit geht einher, dass der Zuschauer eine sehr kräftige Handschrift schätzt, denn subtil geht es im Film "Fall 39" nicht zu.
Die Handlung versucht zwar eine Irreführung, die in meinen Augen jedoch daran scheitert, dass die Rollen von Anfang an zu offensichtlich verteilt sind. Lillith könnte durchaus ein aufgewecktes Kind sein, dass Erwachsene gegeneinander ausspielt. Aber im Gegensatz zu Sozialarbeiterin Emily war mir schnell klar, wer hier welche Rolle spielt. Damit litt für mich die Spannung, denn die Frage, wem ich glauben kann, war schnell beantwortet. Weiterhin fehlt es mir an Feinschliff. So sind die Motivationen der Personen nicht immer nachvollziehbar. Es kommt zu holprigen Wendungen sowie ungelenken Momenten.

Fazit
Die Handschrift des Kinofilms "Fall 39" erkenne ich als Stilmittel an und gleichzeitig muss ich sagen, dass sie mir nicht gefällt. Gepackt hat mich die Handlung kaum, weil für mich die Rollen zu deutlich verteilt sind. Weiterhin bleibt durch die Überspitzung zu wenig Spielraum.
Filmkritik: Thomas Maiwald

Wertung: 50 %

Credits

Original Film-Titel: Case 39

Land: USA 2009

Laufzeit in Minuten ca.: ???

Kinostart / Filmstart: 17.09.2009 > 15.10.2009 > 17.12.2009 > 11.03.2010

Regie: Christian Alvart

Drehbuch: Ray Wright

Schauspieler (Besetzung): Renée Zellweger, Jodelle Ferland, Ian McShane, Bradley Cooper, Kerry O'Malley, Callum Keith Rennie

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