Kinofilm

Voll Frontal

Full Frontal

Eine der grundlegenden Ideen des Films lautet, jeder Mensch ist ständig auf der Suche nach Kontakt, nach einer Beziehung. Wie soll man das umsetzen? In Episoden verfolgt der Film 24 Stunden lang die Bemühungen seiner Darsteller. Die Schauspielerin und der Schauspieler auf dem Weg zum Filmdreh. Die frustrierte Managerin, die sich von ihrem Mann, dem Filmkritiker, trennen will, aber in letzter Sekunde einen Rückzug macht. Ihren Frust lässt sie an ihren Untergebenen in aberwitzigen, demütigenden Gesprächen ab. Ihr Mann, der Filmkritiker, hat ein Lieblingsthema: Pornofilme. Er wird gefeuert und bringt fast den Hund um die Ecke, weil er den Haschkuchen offen stehen lässt.

Die Schwester der Managerin arbeitet als Masseurin in einem Hotel und trifft dort den Produzenten Gus, der von ihr Sex der besonderen Art will und bekommt. Am Abend wird Gus' 40. Geburtstag gefeiert, doch Gus wird nicht mehr mitfeiern. Dazu gesellt sich der Hitler-Darsteller, der Arbeit und Privatleben nicht auseinander halten kann. Allen gemein ist, das sie reden, reden und nochmals reden statt zu schauspielern. In Szenen treten nach Möglichkeit nicht mehr als zwei Personen auf - die Party ausgenommen.

"Voll Frontal" ist der Versuch kommerziell etwas unkommerzielles zu schaffen. Vor dem Dreh hat Regisseur Steven Soderbergh dazu einen Zehn-Punkte-Plan aufgestellt. Demnach gab es keinen Fahrdienst, keine Maske, keine Garderobe, keine Wohnwagen, viele Improvisationen und Punkt 10: "You will have fun wether you want or not". Die Schauspieler haben sich folglich selbst geschminkt, eigene Kostüme gestellt und sind selbst zum Set gekommen. Ob das auch für David Duchovny und Julia Roberts galt? Ob die Stars Spaß beim Dreh hatten lässt sich auf Grund des Ergebnisses schwer beurteilen. Dass sehr viel improvisiert wurde glaube ich gerne. Die Dialoge sind nicht konstruiert worden, was Soderbergh ebenfalls wichtig war. In der englischen Originalfassung wird der Film unrettbar zerredet - keine Redepause ist länger als 20 Sekunden.
Das verwendete Filmmaterial hat überwiegend eine grauenhafte Qualität, weil in Digi-Video gedreht wurde. Die Drehorte sind betont untypische Filmkulissen. Eine Hotellobby, eine Straßenecke, ein Hotelzimmer, ein Wohnhaus, eine Dachterrasse, der Innenraum eines Flugzeugs (der demonstrativ als Kulisse entlarvt wird). Gus (David Duchovny) erliegt seinem sexuellen Fetisch, was dem Film einen moralinsauren Beigeschmack verleiht. Wird er für seinen eigentlich harmlosen Fetisch mit dem Tode bestraft?

Fazit
Ist Dogma drin, wenn nicht Dogma drauf steht? Die Handschrift des Films ist unverkennbar amerikanisch. Die Grundsätze ähneln Dogma wie Pepsi und Cola sich gleichen. Allerdings ist "Voll Frontal" zu bemüht um wirklich als Low Budget bestehen zu können. Es ist eben ein Unterschied, ob engagierte Menschen mit wenig Geld ein kleines Meisterwerk auf die Beine stellen, oder ein bekannter Regisseur mit allen Mitteln versucht diesen Anschein zu erreichen.
Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "Full Frontal"

USA 2002

Laufzeit ca. 101 Min.

Kinostart / Filmstart: 03.07.2003

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Coleman Hough

Schauspieler (Besetzung): David Duchovny (Bill / Gus), Nicky Katt (Hitler), Catherine Keener (Lee), Mary McCormack (Linda), David Hyde Pierce (Carl), Julia Roberts (Catherine / Francesca), Blair Underwood (Nicholas / Calvin), Enrico Colantoni (Arty / Ed), Erika Alexander (Lucy), Tracy Vilar (Heather), Brandon Keener (Francescas Assistent), Jeff Garlin (Harvey, Probably), David Alan Basche (Nicholas' Agent), Nancy Lenehan (Frau im Flugzeug), Brad Rowe (Sam Osbourne), David Fincher (Regisseur), Jerry Weintraub (Jerry), Eddie McClintock (David), Meagan Fay (Diane), January Jones (Tracy)

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