Vier Jahre lag die Braut (Uma Thurman) im Koma. Eine Aussteigerin, die während ihrer Hochzeit sterben sollte. Hingerichtet von ihrem ehemaligen Chef, der ihr Geliebter und Ausbilder war. Doch der Plan scheiterte. Die Kugel traf die Braut zwar in den Kopf, aber sie überlebte. Ihr Bräutigam sowie die gesamte Hochzeitsgesellschaft starben.
Nach ihrem Erwachen hat die Braut nur noch eins im Sinn: Rache. Rache am Krankenpfleger, der sie vergewaltigte, derweil sie im Koma lag. Rache an den ehemaligen Kolleginnen, die sich am Attentat beteiligten und "Kill Bill". Die ersten Toten gibt es im Krankenhaus (während die Braut noch im Rollstuhl sitzt, weil ihre Beine nach jahrelangem Koma gelähmt sind.) Mit purer Willenskraft wird sie es anschließend schaffen ihre Beine und ihre Zehen wieder mit Bewusstsein zu füllen. Nach 13 Stunden Konzentration! Dann beginnt ihr Rachefeldzug. Der Film springt in der Zeit und erzählt verschiedene Puzzle-Stücke der Geschichte in Kapiteln. Den Hintergrund bildet die DiVAS (Deadly Viper Assassination Squad). Angeführt von Bill arbeiten drei weibliche Auftrags-Killerinnen und ein Auftrags-Killer unter den Decknamen von Giftschlangen. "Die Braut" wollte aussteigen und sollte sterben - während ihrer Hochzeit.
"Kill Bill" beginnt mit dem Mordanschlag auf die Braut. Fast fürsorglich wischt der Mörder der Braut mit einem Taschentuch das Blut aus dem Gesicht um ihr anschließend eine Kugel in den Kopf zu jagen. Der Kino-Film zeigt den abgebrochenen Mordversuch an der Braut während sie im Koma lag. (Wer pfeifende Menschen bislang nicht hasste, wird es zumindest während der Vorstellung tun ...) Von der Karriere ihrer ehemaligen Mitstreiterin O-Ren Ishii (Lucy Liu) erzählt der Streifen; die aus Rache zur Anführerin der japanischen Unterwelt wurde. Selbstverständlich schildert der Film auch wie die Braut an O-Ren Ishii Rache nahm und sie tötete. Ebenfalls tot ist Ex-Kollegin Vernita Green (Vivica A. Fox).
Der Film verfolgt ein ganz eigenes Konzept, das vordergründig widersprüchliche Elemente mischt: Farbfilm, Schwarzweißfilm, Western, Kung Fu, Zeichentrick und bitteren Humor. Das Gesamtbild von "Kill Bill" ist eine atemberaubende Orgie aus Gewalt und Blut. Das Töten wird im Film nicht abstrahiert indem angeschossene Menschen aus dem Bild fliegen, sondern in Nahaufnahme vollzogen. Die Braut kämpft mit einem japanischen Samurai-Schwert und dementsprechend fallen die Verwundungen ihrer Opfer aus. Schnittwunden, Stichwunden und abgetrennte Gliedmaßen sind in der Regel die Todesursache.
O-Ren Ishiis Geschichte wird als Zeichentrick erzählt. Ein blutiger Anime in dem das Blut nur so in Fontänen spritzt. Zum Einen ein Stilelement, zum anderen eine kurze Schonung der Zuschauer-Nerven, denn der Film vollzieht bald darauf dasselbe an lebenden Menschen in Schwarzweiß. Erst nachdem die Blutfontänen versiegt sind, schaltet der Film wieder auf Farbe um. In einem Restaurant hinterlässt die Braut ein mittelalterliches Schlachtfest der Verwüstung. O-Ren Ishiis zahlreiche Leibwächter liegen angeschnitten, zerschnitten, oder mit fehlenden Gliedmaßen am Boden; die wenigsten sind tot, die meisten können noch kriechen. Eingebettet in diesen Blutrausch bietet der Film viel Humor. Die überdrehte Restaurant-Besitzerin rutscht während ihrer Flucht auf den High Heels im Blut aus. Im Haus von Vernita liefern sich die beiden Frauen einen Kampf auf Leben und tot. Das Wohnzimmer ist bereits demoliert, der Boden mit Glasscherben übersät, da kommt Vernitas Tochter nach Hause. Nun stehen die beiden Gegnerinnen vor dem Kind, halten beide ein Messer hinter dem Rücken versteckt und Vernita gibt die Braut als alte Freundin aus.
Wenngleich der Kino-Film eine Orgie an Gewalt und Blut darstellt, wurde er sehr ästhetisch inszeniert sowie choreographiert. Es ist wohl nicht übertrieben von Filmkunst zu sprechen, denn die Handlung schwebt stets zwischen Künstlichkeit und Kunst. Die Braut kämpft ihre Duelle nach einem Ehrenkodex. Das Opfer darf die Waffen wählen und / oder den Zeitpunkt des Sterbens. Das Duell zwischen O-Ren Ishii und der Braut findet in einem japanischen Garten statt. Es fällt Schnee und die Idylle ist perfekt. Den krassen Gegensatz bilden die kämpfenden Frauen. Die hagere Uma Thurman in der gelben Kombi gegen die puppenhafte Lucy Liu im weißen Kimono.
Frauen verkörpern in "Kill Bill" klassische Männerrollen. Die Braut als einsame Rächerin, die an denen Rache nimmt, die sie töten wollten. Dabei tragen Frauen die Killerinstinkte in sich, die in Filmen gerne den Männern zugesprochen werden. Wirklich fies ist der Cliffhanger. Ursprünglich als ein Film geplant wurde das Projekt wegen drastischer Überlange in zwei Teile gespalten. Mittendrin reißt die Handlung ab und man kann nur eines tun, sehnsüchtig auf Volume 2 warten, der die Auflösung des Ganzen bringen wird.
Thomas Maiwald
Credits
Original Film-Titel: "
USA 2003
Laufzeit in Minuten ca.: 118
Kinostart / Filmstart: 16.10.2003
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Schauspieler (Besetzung): Uma Thurman (die Braut), David Carradine (Bill), Daryl Hannah (Elle Driver), Michael Madsen (Budd), Vivica A. Fox (Vernita Green), Lucy Liu (O-Ren Ishii), Michael Jai White (Alburt), Chia Hui Liu (Pai Mei), Chiaki Kuriyama (Go Go Yubari), Sonny Chiba (Hattori Hanzo), Larry Bishop (Larry), Laura Cayouette, Julie Dreyfus (Sofie Fatale), Samuel L. Jackson (Organist), Caitlin Keats (Janeen), Kazuki Kitamura, Jun Kunimura (Tanaka), Julie Manase (Crazy 88 Fighter), Chris Nelson (Stallbursche), Kenji Ohba (Koch), Stevo Polyi (Tim), Shana Stein (Erica), Bo Svenson (Prediger)