Kinofilm

House of Wax

Kerzenlicht gilt als Inbegriff von Romantik. Daran ändert auch dieser Film nichts, denn das Remake des Klassikers von 1953 legt sich mächtig ins Zeug - und scheitert. Anfangs setzt er alles daran, einen B-Movie zu untergraben, indem die Dialoge bemüht schlecht ausfallen. Mit dem Ergebnis, dass die erste Dreiviertelstunde des Films zum Gähnen ist. Dann verfehlt er die Spannungserzeugung und ergeht sich in ekelhaft sadistischem Horror; der allerdings nicht die Klasse des kranken Horrors von "Saw" erreicht.

Viele bekannte Versatzstücke aus Horrorfilmen zu nutzen, ergibt nicht zwangsläufig einen guten Horror-Film. Es beginnt mit dem klassischen Motiv, dass sechs junge Leute, auf dem Weg zum Footballspiel, vom Weg abkommen. Die genommene Abkürzung steht für die kürzeste Verbindung zum Tod. Bis der in Gestalt zweier psychopathischer Zwillingsbrüder auftaucht, wird erst einmal geplänkelt und gelabert. Man campt nachts am Waldrand, wobei der Wald natürlich das Böse symbolisiert. Das wird am folgenden Morgen unübersehbar, denn am Waldrand liegt eine Grube, in die ein vierschrötiger Straßenarbeiter angefahrene Tiere wirft, damit sie dort offen verwesen. Man kennt das ja: Der verwahrloste, zwielichtige Einheimische, von dem niemand weiß, ob er gut oder böse ist. Carly (Elisha Cuthbert) nimmt den Tierfriedhof zum Anlass für ein Bad in der Menge und spielt Frauencatchen mit Gedärmen. Danach braucht sie was Frisches zum Anziehen und trägt den Rest der Handlung über das weiße Unterhemd ihres Bruders (ähnlich wie im Film "Wrong Turn").
Den Regeln des Horrorfilms folgend, müssen die Freunde nun getrennt werden. Zwei von ihnen wollen einen neuen Ersatz-Keilriemen besorgen. Doch die Stadt, die das Navigationsgerät des Autos nicht kennt, ist eine Geisterstadt. Hier brechen die Einkaufswilligen erst einmal in ein Haus ein, dass ganz aus Wachs besteht (inklusive Mauern und Wänden). Obwohl die Exponate verdammt lebensecht aussehen, ahnen sie noch nichts. Ihr distanzloses Treiben, bei dem sie alles angrapschen und was kaputt machen, wird natürlich heimlich beobachtet (...).
Damit der erste stirbt, lockt der smarte Tankstellenbesitzer Bo (Brian van Holt) Wade (Jared Padalecki) in sein Wohnhaus, weil er dort angeblich Keilriemen lagert. Das gibt seinem Bruder Vincent (quasi einer Antwort auf den Film "Das Phantom der Oper") die Chance auf ein weiteres Ausstellungsstück. Dafür wird Wade bei lebendigem Leib eingewachst. Carly wiederum landet ebenfalls auf dem Behandlungsstuhl, aber sie ist vorerst "nur" mundtot. Folglich versucht sie ihren Bruder Fingerzeichen zu geben - was blutig endet. Damit ist der Kino-Film plötzlich mitten im Geschehen. Die Spannung bricht kurz noch einmal zusammen, als Paris Hilton sich endlich nackig macht bis auf die Unterwäsche, doch dann geht das Töten, Rennen und Verstecken weiter. Man kennt das ja.

Kritik: Die meisten Zuschauer werden vom Film "House of Wax" Spannung und Schock erwarten. Nach 45 Minuten holperiger Ödnis packt die Spannung jedoch kaum, da der Streifen auf widerlichen Horror setzt. Der erreicht nicht die Stufe von "Saw" sondern bleibt im Bemühen um weitestgehenden Sadismus hängen. Im Film Augenbrauen und Bartstoppeln mit Heißwachs vom Gesicht gerissen (Ähnliches machen Frauen mit ihren Beinen freiwillig). Lippen mit Sekundenkleber verklebt, ein Fingerglied mit einem Seitenschneider abgezwickt. Der Tod von Paris Hilton verkommt zum Event, indem der durchbohrte Schädel in mehreren Einstellungen gezeigt wird. Zudem verwebt das Drehbuch viele Motive, die das Werk nicht bereichern. Siamesische Zwillinge, ein Mann ohne Gesicht, Söhne mit Mutterkomplex.
Da insgesamt die Schraube im Film überdreht wurde, ist das "House of Wax" eigentlich eine Stadt aus Wachs (ein Schild existiert bereits), in der ganze Häuser aus Wachs bestehen. Der Kritiker weiß nicht, wie das zu realisieren wäre. Er fragt auch nicht, weshalb menschliche Körper unter einer Schicht Wachs nicht verwesen? Egal. Horrorfilme sind keine Dokumentationen und eine gewisse Unlogik gehört dazu. Allerdings überschreitet dieser das gerüttelt Maß an akzeptablem Dummfug. Man lässt den angeschossenen Killer liegen, statt ihn zu töten oder wenigstens zu fesseln. Carly nimmt ihrem Bruder das Gewehr ab und wirft es weg, weil die Munition ausging. Einen Gewehrkolben als Schlagwaffe einzusetzen kommt niemandem in den Sinn. Tja: Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben. Und so wird das übliche Programm aus wegrennen, metzeln und verstecken abgespult. Die Darsteller agieren dabei so weit so gut. Paris Hilton spielt besser als erwartet; jedoch ist ihre Rolle, wie alle anderen auch, geprägt von Belanglosigkeit. Fazit: Der Film empfiehlt sich für Genrefans. Die bekommen ein unterdurchschnittliches Standardprogramm zu sehen und werden an vieles erinnert werden, was bereits an Horror ins Kino kam.
Thomas Maiwald

Credits

Original Film-Titel: "

Land: USA 2005

Laufzeit ca.: 113 Minuten

Kino-Start: 02.06.2005

DVD-Start: 23.09.2005

Regie: Jaume Collet-Serra

Drehbuch: Chad Hayes, Carey W. Hayes

Schauspieler (Besetzung): Elisha Cuthbert (Carly), Chad Michael Murray (Nick), Brian van Holt (Bo / Vincent), Jared Padalecki (Wade), Paris Hilton (Paige), Jon Abrahams (Dalton), Dragitsa Debert (Trudy Sinclair), Murray Smith (Dr. Sinclair), Damon Herriman (Roadkill Driver), Andy Anderson (Sheriff)

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