Als Jenna ihre Mutter fragt, ob sie sich manchmal wünscht, ihr Leben grundlegend ändern zu können, verneint sie. Sie wünschte sich nur weniger Falten. Der genaue Gegensatz zu Tochter Jenna, die gerade versucht ihr Leben um 180 Grad zu wenden.
An ihrem 13. Geburtstag wünscht sich Jenna bei dem Spiel "Sieben Minuten im Himmel" sie möge auf der Stelle erwachsen sein. Am nächsten Morgen erwacht sie in einem chicen Apartment, ein nackter Mann kommt ihr entgegen. Was um Himmelswillen ist passiert? Durch die Einwirkung von Wunschstaub ging der Wunsch in Erfüllung. Das Mädchen steckt im Körper einer Frau (Jennifer Garner) - ist erwachsen "über Nacht". Dementsprechend schwer fällt es ihr, sich in der Welt der Erwachsenen zurechtzufinden. Ihr Freund will sie küssen - wie ekelig! Auf der Arbeitsstelle ist sie als Kneifzange verschien, hat keine Ahnung, was eigentlich vorgeht, soll aber ein Redesign für das Magazin Poise ausarbeiten. Mit den Eltern ist sie verkracht - offenbar hatte die Entwicklung vom Mauerblümchen zur angesehenen Redakteurin ihren Preis. Der einzige Lichtblick ist Freund Matt (Mark Ruffalo), der zwar seit dem damaligen Geburtstag nichts mehr von Jenna hörte, aber trotzdem bereit ist, ihr bei der Aufarbeitung der Vergangenheit zu helfen. So schafft es das 13jährige Mädchen im Film, das Leben der Erwachsenen völlig umzukrempeln. Nur zwei Dinge misslingen. Jenna kann weder das Magazin vorm Konkurs retten noch verhindern, dass Matt eine andere Frau heiratet. Ach, wäre sie doch wieder 13 statt "30 über Nacht"!
Kritik: Der zugrunde liegende Mechanismus in "30 über Nacht" ist bekannt. Ein Kind findet sich im Körper eines Erwachsenen wieder - durch Rollen- oder Körpertausch. Die Komik besteht darin, dass ein Kind als Erwachsener leben muss ... also diese Widrigkeiten persifliert. Jamie Lee Curtis gelang das relativ gut im Film "Freaky Friday". Jennifer Garner als erwachsene Jenna macht leider alles andere als eine gute Figur. Als erstes fällt sie morgens völlig unmotiviert aus dem Bett. Der Rest ihrer Darstellung gestaltet sich analog. Statt Komik zu bieten, tappt sie hölzern durch die Handlung. Ihre Versuche die Überforderung darzustellen bleiben ohne Witz. Eigentlich wäre es die ideale Rolle für Brittany Murphy gewesen, die ähnlich durch "Uptown Girls - Eine Zicke kommt selten allein" stolperte. Wesentlich besser gefällt Mark Ruffalo als bester Freund, der unaufdringlich und überzeugend spielt.
Der Plot von "30 über Nacht" zielt eindeutig auf eine sehr junge Zielgruppe, trotzdem ist der Stoff arg dünn geraten. So sind die Probleme des Magazins, für das Jenna schreibt, und ihre privaten Probleme dieselben. Folglich löst die Darstellerin alle Schwierigkeiten in einem Abwasch. Wer auf Grund des dürftigen Drehbuchs nicht lachen kann, schmunzelt vielleicht wegen der Klischees im Film. Da es sich um die Redaktion eines Lifestyle-Blättchens handelt, ist der Chef selbstverständlich stockschwul. Jennas Freund ist ein stadtbekannter Eishockeystar, der Traum aller Frauen. Sie selbst ist amerikanisch prüde: Beim Anblick seines nackten Gemächts, bekommt sie einen hysterischen Anfall und nutzt einen Regenschirm als Angriffswaffe. Am Ende des Kino-Films, nach zwei weiteren Zeitsprüngen, steht die Hochzeit mit ihrem Jugendfreund Matt. Denn was sollte sich eine Frau auch anderes wünschen, als zu heiraten? Andererseits wäre Jenna auch dumm ihn nicht zu heiraten, nachdem sie weiß, dass er eines Tages ein toller Fotograf sein wird.
Haben Sie bislang ein Auge zugedrückt, gilt es noch die Eigenwilligkeiten im Film "30 über Nacht" zu verdauen. Der Wunschstaub ist dabei nur der Anfang. Beim Verlag geht es ebenfalls nicht mit rechten Dingen zu. Die Konkurrenz schafft das Wunder, die komplette in nur 24 Stunden zu erstellen; inklusive schreiben, layouten und drucken. Judy Greer als Jennas beste Freundin wird zunächst als Intrigantin hingestellt, um am Ende wieder fast die Gute zu sein, nachdem sie Jennas Betrug aufdeckte. Regisseur Gary Winick konnte hier keine klare Linie finden. Nicht nur deshalb muss der Zuschauer eine gute Portion Nachsicht mit ins Kino bringen. Jünger als 13 und weiblich zu sein, könnte helfen, sich für den Film "30 über Nacht" zu begeistern.
Thomas Maiwald
Credits
Original Film-Titel: "13 going on 30"
USA 2004
Laufzeit in Minuten ca.: 95
Kino-Start: 09.09.2004
DVD-Start: 17.02.2005
Regie: Gary Winick
Drehbuch: Josh Goldsmith, Cathy Yuspa
Schauspieler (Besetzung): Jennifer Garner, Mark Ruffalo, Judy Greer, Andy Serkis, Kathy Baker, Phil Reeves, Samuel Ball, Marcia Debonis, Christa B. Allen, Sean Marquette