In einer quietschbunten Ethno-Screwball-Comedy dreht sich alles um die Wirren, die ein schwules, italienisches Pärchen, im Kanada der Siebziger, auslöst. Keine Bange, eine Schwulen-Komödie ist es trotzdem nicht.
Angelos verzweifelter Anruf bei der Gay Helpline bildet den Auftakt der überdrehten Film-Komödie. Schon seine Kindheit war extraordinär. Das einsame Kind verbrachte seine Tage mit dem Sehen von Seifen-Opern, die bald darauf seine (Schein-)Realität bildeten. Die Lieblingstante starb, kurz nach der Hochzeit, an gebrochenem Herzen. Danach folgten freudlose Jobs und 30 Jahre Gefängnis, was man auch Leben bei den Eltern nennt. Merke: Für einen Italiener gibt es nur zwei legale Möglichkeiten das Elternhaus zu verlassen: tot oder verheiratet. Angelo aber zieht "grundlos" aus. Noch schlimmer als dieser Regelbruch ist sein Geständnis, dass er homosexuell ist. Er lebt nicht mit seinem Jugendfreund Nino zusammen, sondern mit seinem Lover!
Kritik: Vor schreienden Siebzigerjahre-Tapeten und Möbeln, die rustikaler sind als Eiche rustikal, entbrennen hitzige Rede-Duelle. Eltern gegen Kinder, Eltern gegen Eltern, Geschwister gegen Geschwister ... In einer der köstlichsten Szenen streiten die Mütter darüber, welcher Sohn oben liegt und wer wen "banged" (ob die deutsche Synchronfassung das drin lässt?) Auch beim schwulen Pärchen mag der Friede nicht einziehen. Angelo versucht, seine eigene Identität zu finden. Das geht soweit, dass seine Schwester, die massig Therapiestunden genommen hat, ihn zu therapieren beginnt. Während Nino über alles das Mäntelchen des Schweigens deckt. Zunächst flüchtet er panisch wieder in die sichere Wohnung seiner Mutter, später in eine Scheinehe. Am Ende gibt es nur für einen ein Happyend.
"Mambo Italiano" schlägt in eine ähnliche Kerbe wie "My Big Fat Greek Wedding" und hat Ähnlichkeiten mit frühen Alomodovar-Filmen. Allerdings reicht er an die Frechheit und Konsequenz von Almodovar nicht heran. Der Kino-Film vollbringt den Spagat, Homosexualität zu thematisieren und sie gleichzeitig auszusperren. Das schwule Paar beispielsweise baut keine echte Beziehung auf. Ein flüchtiger Kuss auf den Mund wird genehmigt, ansonsten ist nur kuscheln erlaubt. Wenn Angelo und Nino zu Bett gehen, dann endet die Szene sogar noch vor einem angedeuteten Kuss. Dieses Zugeständnis an die Massenkompatibilität passt in die Siebziger, in denen der Film spielt, im Jahr 2004 wirkt es verlogen und gibt dem Film einen schalen Beigeschmack. Punkten kann der Kino-Film in puncto Ausstattung. Kostüme, Tapeten und Möbel sind gelinde gesagt schrill. Über kleine Einbrüche im Tempo tröstet der bissige Witz schnell hinweg. So kommt es etwa zu einem Familientreffen im Beichtstuhl. Insbesondere gelingt es dem Skript, immer wieder Situationen anzudeuten und sie in letzter Sekunde anders aufzulösen.
Thomas Maiwald
Credits
Original Film-Titel: "
Kanada 2003
Laufezeit ca. 92 Min.
Kino-Start: 24.06.2004
Regie: Emile Gaudreault
Drehbuch: Emile Gaudreault, Steve Galluccio
Theaterstück: Steve Galluccio
Schauspieler (Besetzung): Luke Kirby (Angelo Barberini), Ginette Reno (Maria Barberini), Paul Sorvino (Gino Barberini), Mary Walsh (Lina Paventi), Peter Miller (Nino Paventi), Claudia Ferri (Anna Barberini), Sophie Lorain (Pina Lunetti), Tim Post (Peter), Pierrette Robitaille (Rosetta), Dino Tavarone (Giorgio)