Kinofilm

Das Leben ist ein Fest

Um Komik bemühte Komödie aus Frankreich, die den schönsten Tag des Lebens an den Rand des Nervenzusammenbruchs rückt. Was schiefgehen kann, geht hinter den Kulissen schief und beim Partyservice liegen die Nerven blank.

Max (Jean-Pierre Bacri) ist ein Hochzeitsplaner vom alten Schlag. Er hält viel auf Werte wie Freundschaft und Zuverlässigkeit. Um seine Wortgewandtheit dürfte ihn mancher Politiker beneiden. Mit moderner Technik kann er nicht umgehen. Von ihm versandte SMS sagen in der Regel das Gegenteil von dem aus, was er ausdrücken will.

Der Arbeitstag beginnt für ihn mit einem Reinfall. Das Gespräch zwischen dem alten Hochzeitsplaner und den jungen Auftraggebern droht in ein Beleidigungsduell abzudriften. Der Streitpunkt: man will mit wenig Geld eine fulminante Hochzeit ausrichten. Die Kontrahenten tauschen höflich Floskeln aus, bis das Paar Max als einfallslos und verstaubt beschimpft und er seinen potenziellen Kunden vorschlägt eine Bottleparty zu veranstalten. Viel Zeit die Wunden zu lecken bleibt nicht, denn für Max steht heute die Ausrichtung einer großen Hochzeit an. Auf einem mittelalterlichen Schloss werden 200 Gäste erwartet.

Bei Max' Ankunft liegen sich seine rechte Hand Adèle und der Sänger der Stimmungsband in den Haaren. Die schwache Stromversorgung reicht nur für entweder die Küche oder die Bandprobe. Weiterhin wollen die Kellner nicht in Lakaien-Uniformen auftreten. Der Bräutigam ist ein egoistischer, kleinkarierter Yuppie und Kontrollfreak. Der engagierte Fotograf fällt jedem auf die Nerven und Max' zweite rechte Hand verlangt die Klärung ihrer Beziehung respektive die Scheidung von seiner Frau. Genug Stoff für einen explosiven Tag.

Kritik

"Das Leben ist ein Fest" versucht abgefilmtes Leben auf die Leinwand zu bringen. Leider fehlt den Szenen der Unterbau, sie werden geredet anstatt sie spielerisch darzustellen. Das ist im Fall einer TV-Soap Standard, für einen Kinofilm jedoch abträglich, denn Naturalismus sollte gespielt werden.

Während die Gäste feiern, geben die Pannen einander die Klinke in die Hand und Veranstalter Max gibt alles, damit Brautpaar und Gäste davon nichts merken. Das geht weniger lustig vonstatten als es sein könnte. Hauptdarsteller Max leidet nicht unter der Situation, sodass der Zuschauer über ihn lachen kann. Vielmehr steht er als Diplomat über den Dingen und bleibt eigenartig neutral. Er geht wie ein Conférencier durch den Film respektive Tag, wird weder sympathisch noch unsympathisch.

Der Humor soll aus dem entstehen, was um Max herum passiert. Also aus ungezählten Wortgefechten sowie den Situationen. Erstere zünden in der Mehrzahl der Fälle nicht, weil der Witz nicht auf den Punkt gebracht ist. Die Situationskomik funktioniert nicht, weil sie entweder vorhersehbar ist oder zu konstruiert. Abträglich ist auch die Idee, eine Auswahl an Witzen ständig zu wiederholen. So verbessert der verhinderte Lehrer stets die Grammatik seiner Gesprächspartner. Adèle beschwört verbal Katastrophen herauf, die im zweiten Satz dann doch nicht so schlimm sind. Jede der Hauptfiguren hat einen Standardwitz, den sie wiederholt. Was weniger den Eindruck von Spritzigkeit transportiert als vielmehr den Eindruck, dass es dem Film an Bandbreite mangelt.

Ähnliches gilt für die Figuren, die eindimensional sind und nicht zu Personen werden. Max ist eine graue Maus. Seine Assistentin ist eine streitlustige Zicke, die mit dem Bandleader streitet. Leider werden ihre Streits jedoch nicht zum Schlagabtausch im Sinne einer Screwball Comedy, sondern bleiben Streits um des Streits willen. Und auch die Entwicklung der zwei genannten Figuren entbehrt der Grundlage.

Wie leider so einiges: Neben dem großen Handlungsstrang des Caterings spielen weitere Nebenhandlungen, die fallweise ins Leere laufen. So trifft die Braut während der Feier ihre verflossene Liebe wieder. Der ist mittlerweile zum Kellner abgestiegen und schämt sich dafür. Worauf die Handlung mit den Beiden hinauswill bleibt unklar, denn mehr als eine Erinnerung an vergangene Zeiten ist die Szene nicht. Und sie ist nicht das einzige offene Ende. So ist Max gegen Abschluss des Tages plötzlich Raucher. Der Hochzeitsfotograf ist mehr mit anderen Dingen beschäftigt als mit der Kamera. Und der Bräutigam tritt unversehens als Akrobat auf. Die Kellner werden zu Gästen; doch ohne aus dem Umstand Komik oder Spannung zu ziehen, denn der Rollentausch verwundert keinen Gast. Insgesamt zeigt der Film viele Ideen, die im Ansatz nicht schlecht sind und denen es an Ausarbeitung fehlt.

Den französischen Titel, der übersetzt etwa "Der Sinn des Feierns" lautet verdreht der deutsche Verleih und verspricht damit etwas, was der Film inhaltlich nicht bietet. Allerdings wird die Komödie auch dem Originaltitel kaum gerecht. Leider ist es so, dass die Szene, in der alle glücklich und zufrieden feiern, nicht nur aufgesetzt ist, weil plötzlich die Kellner zu Musikern werden, sondern verwundert handwerklich, denn die Musiker spielen im Film offensichtlich nicht die Musik, die zu hören ist.

Fazit
Dem französischen Lustspiel fehlt die Geschmeidigkeit. Was leicht und behände sein müsste, kommt bemüht und holpernd ins Kino. Die Dialoglast strengt das Ohr an. Unlustiges wird durch permanente Wiederholung nicht lustig und die Lauflänge von 116 Minuten macht die Handlung zäh.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %

Original Filmtitel: Le sens de la fête
Land: Frankreich
Jahr: 2017
Laufzeit ca.: 116
Genre: Komödie
Verleih: Universum Film
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 01.02.2018
Heimkino: 25.12.2018

Regie: Eric Toledano • Olivier Nakache
Drehbuch: Eric Toledano • Olivier Nakache

Schauspieler: Jean-Pierre Bacri (Max Angély) • Jean-Paul Rouve (Guy) • Gilles Lellouche (James) • Vincent Macaigne (Julien) • Eye Haidara (Adèle) • Suzanne Clément (Josiane) • Alban Ivanov (Samy) • Hélène Vincent (Pierres Mutter) • Benjamin Lavernhe (Pierre) • Judith Chemla (Héléna) • William Lebghil (Seb) • Kévin Azaïs (Patrice)

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