Kinofilm

Borg/McEnroe

Die sportliche Karriere des Schweden Björn Borg war kurz und erfolgreich. Beispielsweise gewann er fünfmal in Folge die Wimbledon Championships. Damit liegt er gleichauf mit dem Briten Hugh Doherty und dem Schweizer Roger Federer; wobei dieser das Turnier insgesamt achtmal gewann. Überbieten kann das im Jahr 2017 die Tschechin Martina Navrátilová mit neun Siegen.

Der Film führt Borg als Jugendlichen ein, der bereits mit 15 Jahren sein Ziel klar vor Augen hat: Eines Tages der Beste zu sein. Für ihn hinderlich ist sein aufbrausender Charakter. So wird er wegen Beschwerden über sein Fehlverhalten für einige Monate aus seinem Tennisclub ausgesperrt. In dieser Phase entdeckt ihn der ehemalige Tennisspieler und Trainer Lennart Bergelin (Stellan Skarsgård), der den jungen Hitzkopf unter seine Fittiche nimmt. Sein späterer Gegner John McEnroe ist ihm charakterlich ähnlich. Er hat es nicht gelernt sein Temperament im Zaum zu halten; ist für seine Wutausbrüche bekannt, beschimpft während der Matches schon mal das Publikum oder den Linienrichter.

Kritik

"Borg/McEnroe" inszeniert seine Handlung als Mischung aus Sportfilm und klassischem Drama. Den Kern bildet das Londoner Tennisturnier die Wimbledon Championships. Den Verlauf der Meisterschaft unterbricht die Handlung in unregelmäßigen Abständen und erzählt in Rückblenden überwiegend aus Björn Borgs Leben. Diese Szenen sind als Drama inszeniert. Der sehr ernste Borg kämpft mit seinen Ängsten oder liegt im Streit mit seinem Trainer. Dessen Ausbildung besteht nicht nur darin, seinen Schützling sportlich fit zu machen, sondern er beugt auch dessen Willen. So behandelt er ihn absichtlich ungerecht, damit der Schüler es lernt, seine Emotionen zu unterdrücken und in sportliche Energie umzuwandeln. Auf diese Weise erklärt der Film, warum der spätere Tennisstar so kontrolliert auftrat und als Eisberg bezeichnet wurde. Vorstellbare Szenen, wie solche, in denen Borg seinen Gegner studiert und dies mit seinem Trainer bespricht oder Strategien austüftelt fehlen.

Außer dem Trainer spielt Borgs Verlobte Mariana Simionescu (Tuva Novotny) eine Nebenrolle. Leider passiert zwischen dem Tennisstar und der Frau an seiner Seite erstaunlich wenig. Gleiches gilt für Borgs Eltern, die nur am Rande eine Rolle spielen. Ebenfalls wenig Aufmerksamkeit schenkt der Film Borgs Gegenspieler und späteren Freund John McEnroe (Shia LaBeouf). Der darf hauptsächlich zeigen, dass McEnroe kein einfacher Charakter ist und von den anderen Spielern und dem Publikum nicht geschätzt wird.

Im Endeffekt wiederholt der Film wenige Inhalte. Der Pedant Borg testet nicht nur einmal, sondern mehrfach die Spannung seiner Tennisschläger, indem er barfuß darauf tritt. Und auch die Stilelemente wiederholen sich. Alte 8 mm-Aufnahmen zeigen mehrfach den jungen Borg wie er Tennis gegen ein Garagentor spielt. Das verleiht dem Film eine unnötige Gedehntheit. Regelrecht verwunderlich ist es, dass der Film sogar den an sich spannenden Endkampf unterbricht und Wiederholungen einschneidet.

Nicht erklären kann ich den Umstand, dass ich trotz der Gewichtung auf Borg nicht mit ihm mitfiebern kann. So oft ihn mir die Kamera auch leidend und zweifelnd zeigt, so fremd bleibt mir der Mann auf der Leinwand. Die Schauspieler zeigen wenig Bandbreite, weil das Drehbuch ihnen wenig Spielraum zur Entfaltung lässt. Bei Sverrir Gudnason fällt mir auf, dass er für die Rolle zu alt ist. Während der Dreharbeiten 2016 war er 38 Jahre alt. Die Maskenbildner des Films schaffen es nicht ihn wie einen 24-jährigen aussehen zu lassen. Gleiches gilt für Tuva Novotny, die Borgs Freundin Mariana Simionescu spielt. Auch hier fällt auf, dass eine 37-jährige Schauspielerin eine 24-Jährige spielt. Ich kann mir die Besetzung so erklären, dass beide den Menschen, die sie verkörpern, ähnlich sehen und schwedisch sprechen. Glücklich finde ich die Entscheidung nicht.

Fazit
Die Geschichte legt den Schwerpunkt auf das Drama, lässt es an Tiefe und an Bandbreite fehlen. In der Originalfassung wird neben Englisch viel Schwedisch gesprochen. Ob das in der deutschen Fassung so bleibt, vermag ich nicht zu sagen. Dem Film verleiht es zusammen mit dem vielen Lokalkolorit eine stimmige Note.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %

Original Filmtitel: Borg McEnroe
Alternativtitel: Borg / McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Land: Dänemark • Finnland • Schweden
Jahr: 2017
Laufzeit ca.: 96
Genre: Biografie • Drama • Sport
Verleih: Universum Film
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 19.10.2017
Heimkino: 23.02.2018

Regie: Janus Metz
Drehbuch: Ronnie Sandahl

Schauspieler: Sverrir Gudnason (Björn Borg) • Shia LaBeouf (John McEnroe) • Stellan Skarsgård (Lennart Bergelin) • Tuva Novotny (Mariana Simionescu) • Björn Granath (Bengt Grive) • David Bamber (George Barnes) • Robert Emms (Vitas Gerulaitis) • Jane Perry (Kay McEnroe) • Scott Arthur (Peter Fleming) • Colin Stinton (Talkmaster) • Demetri Goritsas (Peter) • Claes Ljungmark (Mats Hasselqvist) • Dag Malmberg (Södertälje)

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