Kinofilm

Vorwärts Immer

Eine Komödie über die Auflösungs-Erscheinungen der Deutschen Demokratischen Republik, nachfolgend DDR genannt. Erfahren Sie, was bei einer der Montagsdemonstrationen hinter den Kulissen geschah.

Der Film eröffnet mit einer eigenwilligen Szene. Der Staatsratsvorsitzende Erich Honecker betritt sein Büro und berichtet von einem nächtlichen Traum, in dem alle Bürger der DDR frei lebten. Eine Szene des Theaterstücks "Vorwärts immer", das am selben Abend Premiere haben soll. Damit wollen die Künstler das Publikum überraschen, dass Shakespeare erwartet. Die Proben werden wegen künstlerischer Meinungsverschiedenheiten unterbrochen. In der Debatte klingt an, dass die Stasi bei der anberaumten Montagsdemo schießen will. Kurze Zeit später erfährt Hauptdarsteller Otto Wolf (Jörg Schüttauf), dass seine Tochter Anna (Josefine Preuß) auf dem Weg nach Leipzig ist. Er rechnet mit dem Schlimmsten und sucht nach einem Weg, um ihr Leben zu retten. Die gemeinsame Idee des Ensembles ist wahnwitzig: Wolf, der im Theaterstück Honecker spielt, soll in dieser Rolle ins Politbüro vordringen und dort den Schießbefehl zurücknehmen.

Kritik

Eine Komödie über die Zerfalls-Erscheinungen der DDR zu drehen ist eine gefällige Idee. Und worauf die Situations-Komik hinauswill ist zu erkennen. In einigen Fällen gelingt das auch gut. Etwa wenn Margot Honecker abends heimlich Wolf Biermann im Fernsehen bewundert. Der Rest des Humors ist mau. Margot Honecker ist ein echter Besen und regiert hinter den Kulissen die DDR. Die Doppelgänger von Egon Krenz und Erich Mielke klingeln an der Tür zu Honeckers Jagdhaus. Margot Honecker öffnet, droht ihnen die Stasi zu rufen, haut ihnen die Tür vor der Nase zu. Sie klingeln erneut und Mielke sagt, er sei die Stasi und wieder haut Margot die Tür zu. Der falsche Honecker hält Margot vor, seit Jahren so zu nuscheln, weil er ständig von ihr unterdrückt wird. Der echte Erich Honecker bestätigt dass, denn er ist ein Pantoffelheld wie aus dem Bilderbuch, der minutenlang seine Pantoffeln sucht. Gelungen hingegen ist der Dialog, den der echte und der gedoubelte Erich Honecker in dessen Schlafzimmer führen. Der Rest der Witze zündet nicht, weil sie Klamauk sind. Der Running Gag etwa lautet: "Ich rufe mal in Berlin an".

Die Hintergrundgeschichte ist widersprüchlich. Der Hauptdarsteller des Theaterstücks hatte vor Jahren nicht den Mut in den Westen zu gehen. Nachmittags hindert er seine Tochter an der Ausreise, indem er ihren gefälschten Pass zerreißt. Am selben Tag will er abends mit einem Theaterstück gegen das Regime rebellieren, muss damit rechnen, dass er selbst und seine Tochter verhaftet werden. Wäre es nicht logischer, die Tochter ausreisen zu lassen, damit sie in Sicherheit ist? In dem Fall hätte sie keinen Grund mehr nach Leipzig zu fahren. Wo sie nicht auf die Montagsdemonstration gehen will, sondern einen neuen Pass besorgen. Selbst wenn man diese Konstellation nicht unstimmig findet, bleibt der Eindruck, dass die Handlung hingedeichselt ist. Etwa, dass der Rest des Ensembles nicht wie zu allem entschlossene Revolutionäre auftritt. Immerhin müssen sie damit rechnen, ihre Privilegien als Künstler zu verlieren. Ich habe ich den Eindruck, dass es jemand beim Schreiben des Drehbuchs lustig fand, wenn Schauspieler den Aufstand proben. Und eine Begründung für die Honecker-Verkleidung liefert es auch. Dass die Ausarbeitung nicht rund ist, muss der Zuschauer nicht nur hierbei, sondern im gesamten Film in Kauf nehmen.

Vater und Tochter sind also zu treibenden Kräften geworden. Sie will rüber machen und er ihr Leben retten. Nun stolpern die Personen in vielen Szenen durch die Handlung. So bleiben etwa die Beziehungen der Personen untereinander unscharf. Die schwangere Anna lernt auf der Flucht August kennen. Der hinterlässt bei ihr einen bleibenden Eindruck, denn nach der Geburt ihres Kindes kann sie sich nicht entscheiden, ob sie mit August oder dem leiblichen Vater des Kindes leben möchte. Außerdem dient ihre Schwangerschaft noch für einen Kotz-Witz.

Bis auf eine Ausnahme bleiben alle Darsteller blass. Jörg Schüttauf hat offensichtlich Spaß an seiner Rolle. Der Rest der Darsteller ist bemüht, aus dem, was ihnen Drehbuch und Regie ermöglichen, etwas zu machen. Ihr Zusammenspiel ist leider schlecht.

Fazit
Dinge, die in anderen Filmen funktionieren, klappen in "Vorwärts immer" nicht. Nicht zuletzt bietet der Film zu viel Klamauk.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %

Land: Deutschland
Jahr: 2017
Laufzeit ca.: 97
Genre: Komödie
Verleih: DCM Film Distribution
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 12.10.2017

Regie: Franziska Meletzky
Drehbuch: Markus Thebe

Schauspieler: Josefine Preuß (Anne Wolf) • Marc Benjamin (Matti Stein) • Devid Striesow (Harry Stein) • Jacob Matschenz (August) • Jörg Schüttauf (Otto Wolf) • Alexander Schubert (Egbert Rauch / Egon Krenz) • Tom Keune (Wolf-Dieter Seifert) • Hedi Kriegeskotte (Margot Honecker) • Samia Muriel Chancrin (Stasifrau Birgit Müller) • André Jung (Hans Götze / Erich Mielke) • Steffen Scheumann (Boris Kelm) • Damir Cosic (Sasha Kurlensky)

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