Kinofilm

The Circle

Die Katastrophe kommt als angesagte Dotcom. Für Mae (Emma Watson) ist die neue Stelle bei "The Circle" ein Traumjob. Sie arbeitet im Kundenservice und ist bemüht Bestnoten zu erreichen, denn dafür wird sie von ihren Kollegen angespornt und der persönliche Ehrgeiz ist geweckt, denn sie ist Teil eines Traums, den die aufstrebende Firma mit ihren Angestellten teilt. Das Firmengelände etwa ist ein Paradies und bietet jede Menge Gruppen und Aktivitäten. Schon bald fehlt Mae der Grund es zu verlassen oder Kontakte außerhalb der Firma zu pflegen.

Die Chefs sind locker und es herrscht eine Stimmung, die einfach mitreißt. Und auch die Ideen der Firmengründer leuchten ein: Privatsphäre? Schnee von gestern. Geheimnisse sind Lügen. Und wenn "The Circle" alles und jeden per Kamera überwacht, dann kann niemand mehr Böses tun. Kindern möchte die Firma einen Chip einpflanzen, damit man sie jederzeit orten kann und dadurch vor Entführungen und Vergewaltigungen schützen. Mae ist nicht nur begeistert. Sie begreift schnell, worum es geht und dank ihrer Eloquenz steigt sie rasch in der Hierarchie auf. Warnende Stimmen ignoriert sie. Im Gegenteil: Sie geht mit gutem Beispiel voran, verzichtet auf Privatsphäre und ist das Aushängeschild der Company; eine treibende Kraft, die mit ihrer offenen Art Menschen auf der ganzen Welt begeistert. Doch dann verliert "The Circle" die Kontrolle über sein neuestes Projekt und für Mae folgt ein böses Erwachen.

Kritik

Der Film schildert was passieren könnte, wenn eine Firma, die eine Mischung aus sozialem Netzwerk und Suchmaschine ist, nach der Macht greift. Selbst anfangs wohl gemeinte Ideen kippen ins Gegenteil. Da wird die Mitgliedschaft in sozialen Netzwerken zum Zwang und die gut gemeinte Kameraüberwachung zur Totalüberwachung. Es ist ein Szenario, das jeder Drehbuchautor lieben müsste. Doch leider liefern James Ponsoldt und Dave Eggers, der auch die Romanvorlage schrieb, eine unausgegorene Erzählung, in der es den Charakteren an Ausgestaltung fehlt. Tom Hanks gelingt es annehmbar den hinterlistigen Firmengründer zu spielen, der seine Taten hinter der Maske des Menschenfreundes verbirgt.
Ebenfalls akzeptabel schneidet Emma Watson ab. Ihre Rolle ist eloquent, gebildet und unglaublich gutgläubig und ausgesprochen begriffsstutzig. Bis sie endlich durchschaut, wofür sie sich missbrauchen lässt, dauert es zu lange. Wie alle Personen des Films fehlt es auch Mae an Bandbreite. Sie haben keine Vergangenheit und durchlaufen keine Entwicklungen, sondern verändern sich in Sprüngen, die zwar für die Story notwendig sind, denen aber der Weg dahin fehlt. Zudem bleiben die Beziehungen untereinander unerklärt. So sind Mae und ihre Vorgesetzte Annie plötzlich Freundinnen.
Genauso erstaunt, dass Ty, der eine tragende Rolle spielt (und gleichzeitig eine Randfigur bleibt) Mae vertraut, ohne sie zu kennen. Er hat allen Grund skeptisch zu sein, denn es würde ein Hinweis von Mae genügen, um ihn auffliegen zu lassen. Weshalb Mae ihr Wissen weder gegen Ty verwendet, noch Schlüsse daraus zieht, ist unverständlich. So bekommt die Handlung einen naiven Anstrich.

Hinzu kommen die Handlungsstränge, die nicht abgeschlossen sind. So schluckt Mae einen Gegenstand, der als Sender funktioniert. Doch das Tragen des Senders spielt für die Handlung keine Rolle. Im Endeffekt bleibt die Brisanz der angeschnittenen Themen enttäuschend oberflächlich. Weder schöpft das Drehbuch die Brisanz der aufgezeigten Totalüberwachung aus, noch die der angesprochenen Manipulation. Ärgerlich ist auch, dass am Ende die Firmengründer mit einem Handstreich vernichtet werden, ohne dass der Zuschauer erfährt, was ihnen letztlich den Hals bricht. Es wird nur nebulös von E-Mails gesprochen.

Fazit
"The Circle" beweist, dass das, was im Jahr 2017 bereits Realität ist, nur wenig weitergesponnen werden muss, um den schönen Schein ins Gegenteil zu verkehren. Leider ist der Film unausgegoren und die Darsteller bleiben austauschbar.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %

Land: USA • Vereinigte Arabische Emirate
Jahr: 2017
Laufzeit ca.: 119
Genre: Drama • Science-Fiction
Verleih: Universum Film
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 07.09.2017
Heimkino: 26.01.2018

Regie: James Ponsoldt
Drehbuch: James Ponsoldt • Dave Eggers
Literaturvorlage: Dave Eggers

Schauspieler: Emma Watson (Mae) • Ellar Coltrane (Mercer) • Glenne Headly (Bonnie) • Bill Paxton (Vinnie) • Karen Gillan (Annie) • Tom Hanks (Bailey) • Beck (Beck) • Nate Corddry (Dan) • Mamoudou Athie (Jared) • Roger Joseph Manning Jr. (Becks Bandmitglied) • Joey Waronker (Becks Bandmitglied) • Michael Shuman (Becks Bandmitglied) • Nick Valensi (Becks Bandmitglied) • John Boyega (Ty) • Regina Saldivar (Partygast)

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