Kinofilm

Die Muppets - Kritik

Disney dreht die Zeit zurück und lässt die Muppet Show neu aufleben. Das lässt das Herz der Fans zunächst höher schlagen, doch dann kommt vieles anders als erwartet. Mit anderen Synchronstimmen als in der Fernsehserie war zu rechnen. Mit dem Umstand, dass die Figuren zu Statisten im eigenen Film werden jedoch nicht.

Walter und Gary (Jason Segel) sind ungleiche Brüder. Für den Menschen Gary ist es kein Problem, dass sein kleiner Bruder ein Muppet ist. Auch die Eigenart, dass Gary seit seiner Kindheit nicht mehr gewachsen ist, stört nicht und die Brüder halten zusammen wie Pech und Schwefel. Das geht soweit, dass Gary schon mal vergisst, was ihm wichtiger ist. Der Bruder oder seine Freundin Mary (Amy Adams). So kann es passieren, dass Mary glaubt, Walter habe den Ausflug nach Los Angeles geplant, um dort am Jahrestag um ihre Hand anzuhalten, während Walter und Gary das alte Muppet-Theater besichtigen wollen. Dabei finden sie heraus, dass ein fieser Ölmagnat das Gelände kaufen will und das Studio abreißen, um auf dem Grundstück nach Öl bohren zu können. Der einzige Weg dies zu verhindern besteht darin, dass die Muppets das Gelände kaufen. Doch 10 Millionen hat keiner auf dem Sparkonto liegen und die Kollegen von damals sind verstreut.

Filmkritik

Nach menschlichen Maßstäben gemessen, wären die Muppets mittlerweile im zweiten Frühling angekommen, denn die erste Muppet Show flimmerte bereits im Jahr 1976 über die Bildschirme (in Deutschland ein Jahr später). 1981 war dann erst einmal Schluss mit lustig und es folgten 6 Kinofilme, die unterschiedlich gut beim Publikum ankamen. 2012 will es der Disney-Konzern, der mittlerweile die Rechte an den Puppen hält, noch einmal wissen und baut die Figuren in eine Rahmenhandlung nach gutem altem Strickmuster ein - mit viel Gesang und Tanz und der Vermittlung von Werten. Und damit die Serien-Fans nicht enttäuscht werden, gibt es gegen Ende eine Kurzfassung der klassischen Muppet Show.

Der Weg dahin ist uninspiriert und seltsam melancholisch. Er zeigt die Selbstfindung der ungleichen Brüder Gary und Walter auf, die mich an die Sesamstraße erinnert. So schlafen Gary, den ich auf Anfang 30 schätze, und sein Bruder Walter immer noch in einem Zimmer (eben wie Ernie und Bert) und tragen ähnliche Schlafanzüge. Sie putzen auch gemeinsam die Zähne (Wertevermittlung). Weshalb die Brüder so gut harmonieren erschließt sich mir nicht. Aber mit der Darstellung von Gefühlen hält sich der Film nicht gerne auf. Die sollen Lieder vermitteln, die in der deutschen Fassung furchtbar unmotiviert gesungen klingen.

Der zweite Handlungsstrang ist die Wiedervereinigung der alten Truppe. Gemeinsam mit Kermits Hilfe besucht man die in alle Winde zerstreuten Muppets und holt sie zurück auf die Bühne. Das läuft so ähnlich wie bei den "Blues Brothers" ab - nur nicht so lustig. Sind endlich wieder alle beisammen, folgt eine Kurzfassung der Muppet Show. Danach fühlen die Puppen eine große Familie zu sein (Wertevermittlung) und werden von den Fans gefeiert. Das macht fast den Eindruck als könnten die Puppen spüren, dass nach dem Kinofilm die nächste Pause ansteht.

Seltsam austariert ist die Gewichtung. Der Film zeigt nicht die Muppets plus ... sondern vielmehr Jason Segel und die Muppets. Der Schauspieler ist unangenehm präsent. Laut eigener Aussage schrieb er am Drehbuch mit, weil er die Muppets auf die Leinwand zurückbringen wollte. Vielleicht sah er aber auch eine günstige Gelegenheit, sich eine Hauptrolle maßzuschneidern? Darüber kann ich nur spekulieren - ebenso wie über den Antrieb des Disney-Konzerns. Der macht nebenbei Reklame für andere hauseigene Produktionen. Etwa für den Kinofilm "Cars". Was nicht in den Film passt, denn der erste Cars-Film wurde 2006 fertiggestellt und die Kostüme der Darsteller sind ungefähr zwanzig Jahre jünger. Ebenfalls als Reklame stufe ich den Auftritt von Selena Gomez ein, die in der Disney-Serie "Die Zauberer vom Waverly Place" mitspielt.

Fazit
Zugegeben: Die Muppets waren auf Sketche zugeschnitten und nicht auf eine Spielfilmhandlung. Dementsprechend ist es schwierig sie in einen Langfilm einzubauen. Und ich bin nicht böse, dass der Versuch so schief ging. Aber enttäuscht bin ich schon ...
Filmkritik: Thomas Maiwald

Wertung: 50 %

Credits

Original Film-Titel: "

Land: USA 2011

Laufzeit in Minuten ca.: 109

Kinostart / Filmstart: 19.01.2012

Regie: James Bobin

Drehbuch: Jason Segel, Nicholas Stoller

Schauspieler (Besetzung): Amy Adams, Jason Segel, Chris Cooper, Kermit, Miss Piggy, Gonzo, Fozzie Bär, das Tier, Scooter, Waldorf, Statler

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