Selten ist ein Filmtitel so treffend gewählt, wie bei diesem Horrorfilm, der so ziemlich alles vermissen lässt, was einen gelungenen Kinofilm ausmacht. Die handwerklichen Aspekte bewegen sich in der Spanne von "geht so" bis "geht gar nicht". Die Geschichte ist hanebüchen, die Effekte sind lausig. Und die Darsteller? Nicht der Rede wert. Und darum geht es: Vier Amerikaner versuchen in Moskau die Invasion von Außerirdischen zu überleben.
Kaum sind die Freunde Sean (Emile Hirsch) und Ben (Max Minghella) in Moskau angekommen, erleben sie eine tiefe Enttäuschung: Sie werden von ihrem potenziellen Geschäftspartner reingelegt. Während sie ihren Frust in einem Club zu vergessen suchen, geschieht das Unfassbare: Alien greifen Moskau an! Und wie der Zufall es will, finden die zwei Freunde, zwei Amerikanerinnen und der betrügerische Russe in einer Küche Zuflucht. Dort harren sie einige Tage aus und trauen sich dann ins Freie. Vor ihnen liegt eine ausgestorbene, leer gefegte Stadt. Fast niemand hat den Angriff der Außerirdischen überlebt. Dennoch ist die kleine Gruppe sicher, dass es weitere Überlebende geben muss. Doch die Suche nach ihnen ist lebensgefährlich, denn die unsichtbaren Aliens streifen weiterhin durch die Straßen.
Filmkritik: Darkest Hour
Der grobe Handlungsüberblick klingt spannend, doch der Film überzeugt letztlich in keinster Weise. Die Hauptfiguren etwa sind Amerikaner, die sich so unangenehm amerikanisch verhalten, dass man wünscht, sie möchten schnellstmöglich von den Aliens erwischt werden. Für das teils sehr sinnfreie Verhalten der Figuren können die Darsteller wenig, denn hier patzt das Drehbuch. So versuchen sich die Überlebenden gegen die Alien zu schützen, indem sie Glühbirnen an Halsketten tragen. Im Prinzip richtig, denn die Aliens verschanzen sich hinter Tarnkappen - lösen jedoch elektrische Geräte aus. In der Umsetzung Unfug, denn ein Alien, das so nahe kommt, dass die Glühbirne leuchtet, bedeutet den Tod. Nur ein Beispiel für die seltsame Logik des grundsätzlich unstimmigen Drehbuchs.
Weiterhin hat die kleine Gruppe Überlebender keinen Grund ihr sicheres Versteck zu verlassen. Es gibt keine Spannungen in der Gruppe, Nahrung ist vorhanden. Weshalb man auch den Auftakt mit der New Economy hätte weglassen können und sogar darauf verzichten, Amerikaner in Moskau antanzen zu lassen - außer eben, dass man dem amerikanischen Publikum den Film mit den Darstellern schmackhaft machen will. Doch ob die lächerlichen Spezialeffekte ausgerechnet beim verwöhnten amerikanischen Publikum punkten können wage ich zu bezweifeln. Dazu später mehr; zunächst zurück zu den bleichen Figuren. Die haben einfach keine Lust mehr sich zu verstecken. Frei nach dem Motto: Lieber in Freiheit sterben, als in Gefangenschaft zu überleben. Bei ihrem Streifzug durch das menschenleere Moskau gelangen sie in ein Einkaufscenter. Als sie dort ein abgestürztes Flugzeug entdecken, heißt es: "Oh, my god!" Klar: Dass alle in Moskau tot sind, juckt niemanden, aber ein Personen-Flugzeug, das in ein Gebäude gerast ist, (Hinweis auf den 11.9.) erschüttert alle. Später treibt die Amerikaner nicht der Wunsch zu überleben an, sondern die Rückkehr nach den USA. Das ist ähnlich bitter, wie die kampfeslustigen Russen, die ihre amerikanischen Freunde auch noch anfeuern: "Wir haben euch gezeigt, wie man es macht. Jetzt geht nach Hause und erzählt es allen!"
Auf ähnlichem Niveau wie die Psychologie siedeln auch die Spezialeffekte. Wenn die unsichtbaren Aliens angreifen, dann beginnen Lampen zu leuchten, Handys zu klingeln oder Autos zu hupen. Das heißt man sieht als Zuschauer eine menschenleere Straße in der sich nichts bewegt. Nur die Straßenlaternen gehen der Reihe nach an und wieder aus.
Attackierte Menschen sterben als Pixelregen und hinterlassen keine Spuren. Das ist so billig umgesetzt, dass ich behaupte auf meinem PC schon Bildschirmschoner gehabt zu haben, die spektakulärere Pixel-Effekte zeigten als dieser Kinofilm. Ganz nebenbei spart diese Todesart jede Menge Geld, denn die Straßen mussten für den Filmdreh nur abgesperrt werden. Und was ist noch billiger zu filmen als leere Straßen?
Als ob die belanglosen Darsteller, die No-Budget-Effekte und die vermurkste Dramaturgie nicht genug wären, scheint der Kinofilm auch noch verschnitten zu sein. Immer wieder gibt es große Handlungssprünge, die den Eindruck machen, dass Teile der Handlung rausgeschnitten wurden.
Fazit
Kaum zu glauben aber wahr: Bei "Darkest Hour" ist der Titel Programm.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 20 %
Credits
Original Film-Titel: "
Land: USA 2011
Laufzeit in Minuten ca.: 90
Kinostart / Filmstart: 29.12.2011
Regie: Chris Gorak
Drehbuch: Jon Spaihts, Leslie Bohem, M.T. Ahern, Jon Spaihts
Schauspieler (Besetzung): Emile Hirsch, Olivia Thirlby, Max Minghella, Rachael Taylor, Joel Kinnaman