Nach der neu entdeckten Lust an der Prüderie in "Twilight - Biss zum Morgengrauen" könnte die Beziehung zwischen Bella (Kristen Stewart) und dem Vampir Edward (Robert Pattison) langsam in die Gänge kommen, denn Bella wird zum Auftakt des Films volljährig und dürfte jetzt, wen sie wollte. Aber nach wie vor bleibt es beim Sehnen nach den verbotenen Früchten.
Bella, die nach wie vor bei ihrem Vater lebt ist nach wie vor unsterblich in den wesentlich älteren Edward verliebt, der nun offen zugibt bereits 109 Jahre alt zu sein. Da er ein Vampir ist, altert er nicht und das stürzt Bella am 18. Geburtstag in eine Sinnkrise. Wird Edward sie auch dann noch lieben, wenn sie altert? Edward wiederum kann sich immer noch nicht entschließen Bella zu einer Vampirin zu machen - zu sehr hadert er mit seinem eigenen Schicksal.
Eines Tages konfrontiert er Bella mit einer harten Entscheidung. Um sie zu schützen, muss er sie verlassen. Mitsamt seiner "Familie" entschwindet er aus Bellas Leben. Was ihr das Herz bricht; sie verbringt Tage, Wochen und Monate im Liebeskummer. Für den dritten im Bunde, Bellas Kameraden Jacob, scheint der Weg nun frei zu sein und er beginnt offenes Interesse an der jungen Frau zu zeigen. Und obwohl Bella bislang gewiss war, in Jacob nur einen Kumpel zu sehen, ist sie jetzt nicht mehr sicher, ob sie für Jacob vielleicht doch mehr empfindet als eine reine Freundschaft? Des Weiteren macht es ihr zu schaffen, dass Jacob ebenfalls ein Geheimnis in sich trägt: Er ist ein Werwolf. Bella sitzt also zwischen den Stühlen. Sie muss für sich klar kriegen, ob sie den Werwolf zum Freund oder zum Partner möchte? Und sie muss herausfinden, ob die Liebe zu Edward so unsterblich ist, wie sie bislang annahm. Aber selbst wenn. Wie jemanden aufspüren, der spurlos verschwunden ist? Was Bella nicht ahnt, auch Edward leidet so sehr unter seiner Entscheidung dass er sterben möchte.
Filmkritik New Moon - Biss zum Morgengrauen
Der Kinofilm "New Moon - Biss zum Morgengrauen" bringt sich selbst in die Nähe von Shakespeares Romeo und Julia. Keine gute Idee, denn das Drehbuch ist schwach und kann dem Klassiker nicht das Wasser reichen. Vielmehr wird eine Schmonzette aufgeführt, in der die jungen Darsteller in langen Arien schmachten und leiden. Edward verlässt die Liebe seines Lebens nach einer Lüge. Dafür gibt es zwei Erklärungen: Er weiß, dass Bella in seiner Nähe nie sicher sein kann. Was allerdings auch bedeutet, dass sie ohne seinen Schutz leichte Beute für die bösen Vampire (aus Teil 1) ist. Der andere Grund ist der schönere, weil tragischere Grund: Um Bella die Chance zu geben, sich über ihre Gefühle klar zu werden (und vielleicht in einen anderen Mann zu verlieben) muss Edward sie freigeben. Dieses Opfer ist dann aber auch für ihn zu groß und es bricht beiden Liebenden fast das Herz. Sie leiden wie die Hunde - um im großen Finale wieder vereint zu sein.
Formal gesehen wird hier das größte aller Opfer gebracht. Der Verzicht auf die Liebe aus Liebe. Aber weder das Drehbuch noch die Darsteller tragen diesen dramatischen Stoff. Bella stürzt sich in allerhand Sinn- und Seinkrisen. Wird in überflüssige Verfolgungsjagden verwickelt und entdeckt ein Geheimnis, das keines war. So hat der Zuschauer bereits im ersten Teil geahnt, dass Jacob ein Werwolf ist. Erschwerend kommt hinzu, dass die jungen Mimen wenig bis gar nichts transportieren. Da bleiben zu viele Blicke leer und so manche Geste hilflos. Es hilft es auch nichts, dass die Jungs kräftig im Bodybuildingstudio trainiert haben und sich in allerlei sinnfreien Momenten die T-Shirts vom Leib reißen. Damit bringt der Film zwar so etwas wie Erotik in die Sache und wenn die Knaben nebeneinander posieren erinnern sie in glücklichen Momenten an eine Boyband. Aber der körperliche Einsatz täuscht nicht über das mangelnde Talent hinweg. Ärgerlich auch, dass die Chemie zwischen den Darstellern nicht stimmte und keine Spannung aufkommt.
Weiterhin verstehe ich immer noch nicht, was Bella an dem chronisch niedergedrückten Edward mit seinem dauerhaften Nackenproblem findet? Vielleicht ist es die Tatsache, dass er eine ideale Projektionsfläche bildet. Denn außer stets mit schiefem Kopf dazustehen und eine äußerst ungesunde Hautfarbe zu haben bringt Robert Pattinson als Edward nichts rüber. Da kann frau, um nicht zu sagen man, sonst was in ihm sehen. Des Weiteren stört mich, dass die Geschichte, wie bereits der Vorgänger, überaus prüde aufgezogen ist. Einen einzigen Kuss gönnt der Film seinem Liebespaar. Davor und danach kommt es mehrfach fast zur Berührung von Lippen, doch stets tritt eine Störung ein.
Bei aller Kritik gibt es doch einen Aspekt, in dem "New Moon - Biss zum Morgengrauen" überzeugen kann. Er drückt sehr gut die Gefühle aus, die man in Bellas Alter hat. Auch ich kann mich daran erinnern, dass in den Jahren um die Zwanzig viele Dinge ausschließlich und absolut erschienen. Allerdings habe ich bei Liebeskummer nie heulend auf dem Waldboden gelegen ... Aber ich bin keine Frau und war auch nie in einen Vampir verliebt ... Apropos Vampire. Die haben im Film mit dem klassischen Mythos immer noch nichts zu tun. Sie kennen keine Lust, die mit einem Biss in den Hals verbunden werden kann oder Spaß am Töten und an Macht. Doch was soll's? Die Werwölfe sehen ja auch nicht wie gefährliche Wölfe aus, sondern wie überdimensionale Stofftiere.
Fazit
Der Kinofilm "New Moon - Biss zum Morgengrauen" gibt mir nichts. Wenngleich ich Heldin Bella manches nachfühlen kann, finde ich die Handlung insgesamt albern und die Story blutleer.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 30 %
Credits
Original Film-Titel: The Twilight Saga: New Moon
Land: USA 2009
Laufzeit in Minuten ca.: 131
Kinostart / Filmstart: 26.11.2009
Regie: Chris Weitz
Drehbuch: Melissa Rosenberg
Schauspieler (Besetzung): Kristen Stewart, Robert Pattinson, Taylor Lautner, Ashley Greene, Peter Facinelli, Elizabeth Reaser, Kellan Lutz, Nikki Reed