Wir schreiben das Jahr 1805. Die Napoleonischen Kriege haben sich auf das Meer ausgeweitet, wo erbitterte Seeschlachten geschlagen werden. Beim einem Überraschungsangriff des französischen Schiffs Acheron wird das britische Schiff HMS Suprise schwer beschädigt. Obwohl die HMS Suprise dem Angreifer unterlegen ist, kann das Schiff in letzter Sekunde entkommen.
In Captain Jack Aubrey (Russel Crowe) weckt die Niederlage übermenschlichen Ehrgeiz. Er wird von nun an alles daran setzen die Acheron aufzuspüren und zu vernichten. Das bereitet nicht nur dem Schiffsarzt Stephen Maturin (Paul Bettany) große Sorgen. Stephen ist Jacks bester Freund und gleichzeitig auch sein (schlechtes) Gewissen. Wie das Schicksal es will, spielt der Zufall dem Captain Hilfe zu. Einer der Seeleute besitzt ein naturgetreues Miniaturmodell der Acheron. Somit gelingt es Captain Jack den Feind genau zu studieren und zu ergründen, worin die Überlegenheit der Franzosen wurzelt. Für Captain Jack ein weiterer Grund dem Feind nachzujagen und die alles entscheidende Schlacht zu schlagen.
Kritik: "Master And Commander - Bis ans Ende der Welt" basiert auf einem Band einer zwanzigbändigen Roman-Reihe von Peter O'Brian. Dabei wird deutlich: Filme sind keine Bücher. Mag es in einem Roman durchaus funktionieren, sich auf die Ausschmückung der Charaktere und Emotionen zu konzentrieren, so erleidet der Kino-Film daran nahezu Schiffbruch. Die atmosphärisch dichte Handlung zeichnet den Alltag auf See zwar realistisch und plastisch nach, doch reicht das Gezeigte nicht über die Spielfilmlänge von mehr als zwei Stunden.
Es beginnt und endet mit einem Knalleffekt. Die erste und zweite Seeschlacht zwischen dem britischen und dem französischen Schiff wird gezeigt. Dazwischen werden die britischen Charaktere vorgestellt und das Leben auf einem Kriegsschiff der damaligen Zeit gezeichnet. Die gesamte Geschichte wird aus der Warte der englischen Besatzung erzählt, die Kamera verlässt die Crew der HMS Suprise nie. Als Zuschauer glaubt man im Kino den Pulverdampf zu riechen und das Schwanken der Planken zu spüren. Nur für einen Landgang verlässt die Kamera das Schiff. Ein kurzer Ausflug auf die Galapagos-Inseln befreit aus der Enge des Lebens an Bord. Danach geht es wieder zurück in die Härte des Lebens auf hoher See. Der Film versucht nichts zu beschönigen, sondern möglichst puren Realismus zu bieten. Der Kino-Film hat eine Unmenge an Spezialeffekten zu bieten - doch dienen die Spezialeffekte dazu den Realismus zu untermauern. Im Gegensatz zu zum Beispiel "Fluch der Karibik" geht es weniger um die Story als um eine Literaturverfilmung (die nicht sonderlich gut gelang). Das Leben an Bord des Schiffes ist ausgesprochen rau. Bei Kämpfen werden die Männer verwundet, was schon mal eine Operation am offenen Schädel nach sich zieht. Einer der Schiffsjungen verliert einen Arm, aus den Nahrungsvorräten kriechen die Maden. Der Schiffsarzt muss sich während des Aufenthaltes auf den Galapagos-Inseln selbst operieren.
Stellenweise menschelt es zu sehr. Wenn Captain und Schiffsarzt sich abends in der Kapitänskajüte treffen und Hausmusik machen oder wenn der Captain dem verwundeten Schiffsjungen ein Buch an die Hängematte bringt. Das kann sich in der Realität haargenau so zugetragen haben - in einem Kino-Film wirkt es klischeehaft. Wie gesagt, die Handlung trägt den Film nicht über die gesamte Länge von mehr als zwei Stunden. Während des Sehens stellt sich - bei aller Dichte - das Gefühl von Zähigkeit ein.
Die Rolle des Captain Jack wurde Russel Crowe auf den Leib geschrieben und der Schauspieler verkörpert die Rolle gut. Man glaubt ihm durchaus eine gewisse Zerrissenheit die zwischen Pflichterfüllung, Sorge um die Mannschaft und Freigeistigkeit wurzelt. Gleichzeitig wirkt Russel Crowe in der Rolle selbstgefällig. In seinem Spiel schwingt ein "was bin ich doch für ein toller Schauspieler" mit. Das Gegenteil ist Paul Bettany als Schiffsarzt, dessen große Leidenschaft dem Forschen gilt. Tiere, Menschen, Captain Jack - alles nährt seinen Forscherdrang. Paul Bettany spielt seine Rolle mit großer Glaubwürdigkeit. Auch der Rest der Mannschaft wirkt als seien sie wirklich wochen- oder monatelang auf See gewesen. Die Maske hat hier ebenso gut gearbeitet wie die Requisite.
Thomas Maiwald
Credits
Original Film-Titel: "Master And Commander - The Far Side Of The World"
USA 2003
Laufzeit ca. 140 Min.
Kinostart / Filmstart: 27.11.2003
Regie: Peter Weir
Drehbuch: Peter Weir, John Collee
Schauspieler (Besetzung): Russell Crowe (Captain Jack Aubrey), Paul Bettany (Dr. Stephen Maturin), James D'Arcy (Thomas Pullings), Edward Woodall (William Mowett), Chris Larkin (Midshipmen), Max Pirkis (Blakeney), Jack Randall (Boyle), Max Benitz (Calamy), Lee Ingleby (Hollom), Richard Pateswarrant (Williamson), Robert Pugh (Mr. Allen), Richard McCabe (Mr. Higgins), Ian Mercer (Mr. Hollar), Tony Dolan (Mr. Lamb), David Threlfall (Steward), Billy Boyd (Barret Bonden), Bryan Dick (Joseph Nagle), Joseph Morgan (William Warley), George Innes (Joe Plaice), William Mannering (Seemann), Trick Gallagher (Seemann), Alex Palmer (Seemann), Mark Lewis Jones (Mr. Hogg), John De Santis (Padeen), Ousmane Thiam (Black Bill), Thierry Segall (frz. Captain)